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Ätherische Öle
Ätherische Wasser
gesetzten Äthern, Aldehyden, Ketone, Phenolen,
organischen Säuren usw. Die im Handel vorkommenden
ätherischen Öle sind sämtlich Produkte
des Pflanzenreiches und werden aus verschiedenen
Pflanzenteilen durch Destillation mit
gespannten Wasserdämpfen oder auch durch Extrahieren
(s. Parfümerien) gewonnen. Nur einige,
wie Zitronenöl, Pomeranzenöl, Bergamottö! erhält
man dqrch Auspressen der betr. Fruchtschalen.
Werden die ätherischen Öle einer nochmaligen
Destillation unterworfen, so nennt man sie rektifizierte
bzw. doppelt rektifizierte Öle.
Die Fabrikation der ätherischen Öle hat sich
auf gewisse Gegenden konzentriert, und besonders
Leipzig bildet einen Hauptfabrikationsund
Handelsplatz. Italien, namentlich Kalabrien
und Sizilien, liefert hauptsächlich Zitronenöl,
Pomeranzenöl und Bergamottöl, das südliche
Frankreich Neroliöl, Petitgrainöl, Lavendelöl
und Thymianöl, Algier Geraniumöl, Bulgarien
und die Türkei Rosenöl, England Pfefferminzöl
und Lavendelöl, Nordamerika Pfefferminzöl und
Wintergrünöl, Rußland Anisöl. Aus Ostindien
und China werden namentlich Sternanisöl, Kassiaöl
und Zimtöl eingeführt, die meisten Gewürzöle
aber werden, seitdem die zur Ölgewinnung
bestimmten Gewürze zollfrei eingehen,inDeutschland,
allerdings unter Kontrolle von Steuerbeamten,
destilliert, die hierbei zurückbleibenden,
vom Öle befreiten Gewürze müssen vernichtet
werden. —■ Die gangbarsten ätherischen
Öle sind außer den bereits genannten: Anis-,
Kümmel-, Fenchel-, Angelika-, Wermut-, Zedernholz-,
Kalmus-, Wacholder-, Bittermandel-,
Senf-, Sternanis-, Rosmarin-, Zitronell- und Terpentinöl.
Verwendung finden die ätherischen
Öle in der Medizin und Likörfabrikation, ferner
zur Herstellung feiner Parfümerien, wie Eau de
Cologne und anderer Riechwässer,- zum Parfümieren
von Seifen, Pomaden, Haarölen. Einige
werden auch in der Konditorei verwendet, die
billigen, wie Terpentinöl, in der Lackfabrikation.
— Die allgemeinen Eigenschaften der
ätherischen Öle lassen sich dahin zusammenfassen,
daß sie sämtlich einen starken, mehr
oder weniger angenehmen Geruch besitzen, mit
stark rußender Flamme brennen, auf Papier
einen in der Hitze wieder verschwindenden I ettfleck
hervorbringen, in Wasser nur in sehr geringer
Menge löslich sind, sich aber leicht in
starkem Alkohol und in Äther lösen. Die meisten
sind leichter, einige auch schwerer als Wasser.
Sie besitzen ein starkes Lichtbrechungsvermögen
und drehen mit wenigen Ausnahmen die Ebene
des polarisierten Lichtes nach rechts oder links.
Der Siedepunkt der ätherischen Öle ist sehr verschieden,
liegt aber durchgängig ziemlich hoch
(meist zwischen 160 und 300 0 C), mit Wasserdämpfen
verflüchtigen sie sich jedoch schon be
viel niedrigerer Temperatur. Wie ihr Geruch be
weist, sind sie auch schon bei gewöhnlicher
Temperatur etwas flüchtig. Einige erstarren
leicht zu kristallinischen Massen (z. B. Rosenöl,
Anisöl), während andere gar nicht fest werden,
Wieder andere Öle sondern sich mit der
Zeit und beim Stehen an kalten Orten in einen
starren, kristallinischen Teil, Stearopten, und
in einen flüssig bleibenden, Eläopten. Einige,
ätherische Öle bestehen fast ganz aus sauerstofffreien
Verbindungen, die den Namen Terpene
bzw. Sesquiterpene führen, die meisten enthalten
aber als wesentliche Bestandteile sauerstoffhaltige
Verbindungen. Es gibt ferner auch schwefelhaltige
ätherische Öle, wie z. B. Senföl,
Knoblauohöl. Seit mehreren Jahren kommen
ätherische Öle in den Handel, die auf den Preislisten
als terpenfreie, konzentrierte, extrastarke
oder nicht trübende ätherische Öle
bezeichnet werden und von den Kohlenwasserstoffen
befreit sind, so daß nur der sauerstoffhaltige
Teil allein Verwendung findet. Solche
ätherischen Öle fabrizieren z. B. Schimmel-Miltitz
bei Leipzig, Heine-Leipzig, Haensel-Pirnä. Die
Bezeichnung „nicht trübende“ Öle bezieht sich
darauf, daß sie sich in verdünntem Alkohol klar
und ohne Trübung lösen, was bei den terpenhaltigen
nicht der Fall ist. — Die Aufbewahrung
der ätherischen Öle muß in sehr gut verschlossenen,
möglichst voll gefüllten Flaschen an
einem dunklen und kühlen Orte erfolgen. Durch
Einwirkung von Luft und Licht verändern sie
sich leicht, nehmen einen fremdartigen Geruch
an und verharzen schließlich. Die Versendung
geschieht gewöhnlich in Glasgefäßen oder in
Flaschen von Weißblech, Die Sizilianer Öle kommen
in kupfernen Gefäßen (Ramieren), die Öle
aus China in Bleiflaschen zu uns. — Wegen
ihres meist sehr hohen Preises sind die ätherischen
Öle häufig Verfälschungen ausgesetzt,
die nicht leicht zu entdecken sind, wenn hierzu
andere billigere ätherische Öle genommen wurden.
Die, Verfälschung mit fetten Ölen oder
mit Alkohol kommt hingegen nicht mehr so
häufig vor, weil diese leichter nachgewiesen
werden kann. Größere Mengen von Alkohol
lassen sich durch Schütteln gleicher Volumina
von ätherischem Öl und Wasser in einer graduierten
Glasröhre nachweisen, wobei das Volumen
des Wassers durch die Aufnahme des Alkohols
zunimmt, oder durch Destillation. Die vielfach
empfohlene Methode mit Fuchsin paßt hingegen
nicht für alle Öle, da manche, die ganz frei von
Alkohol sind, das Fuchsin ebenfalls lösen und
sich dadurch rot färben. Fette Öle lassen sich in
ätherischen Ölen leicht daran erkennen, daß sie
nicht flüchtig sind, daher auf Papier einen auch
beim Erhitzen nicht verschwindenden Fettfleck
verursachen. Teilweise verharzte Öle hinterlassen
allerdings auch einen bleibenden Fettfleck, der
jedoch meist nur an dem Rande durchscheinend
ist und beim Auf gießen von Weingeist verschwindet,
was bei Vorhandensein von fettem Öl
nicht der Fall ist. Eine Ausnahme hiervon macht
nur das Rizinusöl, welches- sich' in Alkohol löst.
•Zur Erkennung einer Verfälschung mit Terpentinöl
bedient man sich besonderer Methoden,
auf die hier nicht näher eingegangen werden
kann.
Ätherische Wässer (abgezogene oder aromatische
Wässer) erhält man als Nebenprodukt
bei der Fabrikation der ätherischen Öle,
indem sich ein Teil der letzteren in dem mit
übergehenden Wasser löst und diesem den Geruch
des Öles mitteilt. Die meisten dieser ä.W.
werden in Apotheken verwandt, einige, wie z. B,
Orangenblütenwasser und Rosenwasser, auch in
der Konditorei. Letztere werden von Nizza,