Full text: Werke und Schriften bis Anfang 1844 (1,2.1930)

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(87) 1843 Dez, 1 
kein Objekt mehr ist, sich zum Vorwurf zu machen, das ist eine große 
psychologische Schwierigkeit. Gleichwohl anerkenne ich mit Ihnen die 
äußere, politische Notwendigkeit einer nochmaligen energischen Cha- 
rakteristik S[chelling]s und werde sie auch nicht außer Acht lassen. Aber 
bis jetzt war sie mir nicht möglich. Ihre Aufforderung traf mich völlig 
unvorbereitet auf ein solches mauvais sujet. Und bereits ist periculum in 
mora. Ich eile nun statt mit der Charakteristik], mit diesem leeren Briefe 
zu Ihnen?) 
87.Arnold Rugean Marxin Paris; Frankfurta. M. 
{843 Dezember 1 
Original: Archiv der Sozialdemokratischen Partei. Berlin 
Frankfurt a. M., den 1. Dezember 1843. 
Mein teurer Freund! 
Endlich ist die Reise zur Realität geworden, und ich will nur wün- 
schen, daß die zweite Hälfte so gut abläuft als die erste. 
Nauwerck, Brüggemann und meines Bruders Schwiegervater, der 
Dr. Mayer, waren von Berlin, Duncker, Prutz, Schwarz und einige andere 
von Halle nach Leipzig gekommen. Nur N[auwerck] und B[rüggemann] 
sind mit unseren literarischen Plänen zufrieden, die Hallenser wollen für 
sich die alte Lit[eratur]zeit [ung] regenerieren, sie wollen frei sein, auch 20 
von uns, namentlich Prutz, der ganz Literatur ist. Mit unserm Prinzip ist 
Nauwerck, Duncker und Schwarz am meisten zufrieden, doch ist es klar, 
daß nur N[auwerck] und B[rüggemann] vielleicht etwas Brauchbares 
schreiben. Brügg[emann] bereut sein vermittelndes dummes Buch. 
N[auwerck] hat ihm das viel vorgenölt, aber B[rüggemann] ist sehr 25 
konfus in der Religion. Ich habe die Hallenser ohne Zweifel mit meinem 
abenteuerlichen Tun und Treiben sehr gegen mich, kaum daß sie zugaben, 
es müsse auch solche Menschen geben und es sei etwas, daß man endlich 
einmal wahr sei und spräche. Ganz Deutschland ist toll vor Patriotismus 
auf nichts.. Nur der Süden denkt und fühlt mit der Revolution, und z0 
wenn sie in Frankreich nicht ganz unterjocht wird, so fällt er auch wieder 
in die Bewegung hinein, sowie sie ernstlich auftritt. 
Ich bleibe morgen hier und halte einen Rasttag. Dann fahr’ ich, in 
sechs Tagen, denk” ich, nach Paris und bei Mäurers Haus vor, wo ich 
mal Bescheid weiß. Ich werde früh anzukommen suchen. Die Damen — 35 
Ihre Frau, meine verehrte Freundin vor allem — müssen sich’s vorher 
überlegen, wo ich mit meiner Arche Noah bleibe, und ob sich nicht 
gleich ein passendes Abladequartier findet, für das ich mich womöglich 
gleich entscheiden könnte. Natürlich müssen wir ganz beieinander bleiben. 
Ich schreibe diesen Brief eigentlich nur, um die wirklich realisierte 40 
Reise und ihr wahrscheinliches Ende noch vor meinem Eintreffen zu be- 
stätigen. Wenn Sie uns beim Nehmen der Wohnung das letzte Jawort 
lassen, so ist das wegen meiner Frau zu tun. Ich kann doch nicht wissen. 
wie der die Sache vorkommt. 
1) Das zweite Briefblatt mit dem Abschluß des Briefes fehlt. 
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