Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

sich  um  so  mehr,  je  näher  sie  dem  Typus  einer  Produktivgenossenschaft
kommt,  die  zur  gleichen  Zeit  eine  unendliche  Anzahl  verschiedener  Arbeiten
ausführt,  Arbeiten,  die  einander  gegenseitig  als  Absatzgebiete  dienen  und
sich  gerade  dadurch  fördern,  daß  sie  auf  verhältnismäßig  engem  Raume
vereinigt  sind.  Nur  eine  derartige  Genossenschaft  ist  imstande,  die  „verborgenen ­
  Fähigkeiten“  des  Menschen 1 )  zu  entwickeln  und  seine  Herrschaft
über  die  Natur  auszubreiten.  Auf  Grund  dieser  beiden  Hauptzüge  läßt
sich  der  wirtschaftliche  Fortschritt  definieren.  Es  ist  das  in  nur  wenig
abweichender  Form  die  Definition  der  „normalen  Nation“  oder  des  hoch
entwickelten  Zustandes,  der  Friedrich  List  am  Herzen  lag.  Es  ist  das
auch  sein  Ideal  des  beständigen  Fortschrittes,  der  der  Handelspolitik  an
Stelle  der  sofortigen  Bereicherung  als  Ziel  gesetzt  wird.
Wie  List,  aber  noch  eindringlicher  zeigt  Carey  den  wohltätigen
Einfluß,  den  die  räumliche  Nähe  der  unter  dem  Schutzzoll  erwachsenen
Industrien  auf  die  Landwirtschaft  hat.
Außer  den  uns  bereits  bekannten  Argumenten  jedoch,  die  Cabev
hinsichtlich  der  Vorteile  anführt,  die  die  Landwirte  aus  ihrer  Berührung
mit  den  industriellen  Zentren  ziehen,  finden  wir  bei  ihm  Gründe  von  viel
geringerer  Schlagkraft,  denen  er  aber  eine  große  Bedeutung  beimißt:
Nach  Carey  befreit  der  Schutzzoll,  indem  er  der  Landwirtschaft
nahe  gelegene  Absatzgebiete  verschafft,  den  Landwirt  von  dem  in  seinen
Augen  exorbitanten  Tribut,  den  er  den  Händlern  für  den  Transport  über
große  Entfernungen  zahlt.  Diese  Begründung,  die  List  nur  streift 2 )»
findet  sich  bei  dem  amerikanischen  Schriftsteller  jeden  Augenblick  wieder.
Wenn  Amerika  aber,  wie  Stuart  Mill  sehr  richtig  bemerkt 3 ),  sich  dazu
hergibt,  diese  Kosten  zu  tragen,  so  ist  das  der  Beweis,  daß  es  sich  sogar
auf  diese  Weise  im  internationalen  Handel  mehr  Manufakturwaren  verschafft, ­
  als  es  selbst  herstellen  könnte.
Ein  nicht  weniger  fragwürdiges  Argument  ist  das  folgende:  Care 1 '
sagt,  daß  die  Ausfuhr  der  landwirtschaftlichen  Erzeugnisse  den  Boden
des  Landes  aussaugt,  denn,  da  diese  Produkte  nicht  an  Ort  und  Stell 0
verzehrt  werden,  werden  auch  die  düngenden  Bestandteile,  die  sie  enthalten, ­
  dem  Boden  nicht  wieder  erstattet,  —  was  im  Gegenteil  der  Fan
sein  würde,  wenn  eine  gewerbliche  Bevölkerung  in  der  Nachbarschaft  säße  )•

*)  Ebenda,  Bd.  I,  S.  349.
Vgl-  Das  Nat  System,  Bd.  II,  Kap.  XIII,  S.  232,  Ausg.  Cotta  1841.
t >  “rinciples  of  Political  Economy,  B.  V,  Kap.  X,  §  1.
.  1  ” V ? n  ai,0n  für  die  Zwecke  dcsMenschen  notwendigenDingen  kann  der  Dünger.
Tj  i  0< r  elnes  der  bedeutendsten  ist,  am  wenigsten  den  Transport  vertragen.  Der
B  'Ir,"  nur , unter  der  Bedingung  fortfahren  zu  produzieren,  daß  man
Beding« 61  e ’f“n denen  slch  dleErnte  zusammensetzt,  wieder  zuführt.  Wenn  man  diese
mehr  k’  S °  St ‘!' 8t  die  Men S e  der  Lebensmittel,  die  Menschen  können  siel
einander  nahem  und  ihre  Kräfte  zusammentun  und,  indem  sie  ihre  individuellen
            
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