Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

I.  Kapitel.  Die  Optimisten.

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es  tut,  in  das  Sinken  des  Zinsfußes  nicht  nur  den  eigentlichen  Zins  einschließt, ­
  sondern  auch  die  Profite,  die  Dividenden,  Tantiemen  und  jeden
Gewinnanteil  des  Kapitals.
Aber  auch  wenn  wir  das  Gesetz  des  sinkenden  Profitsatzes  als  feststehend ­
  annehmen,  beweist  das,  daß  der  Anteil  des  Kapitals  geringer  wird?
Auf  keinen  Fall,  insoweit  als  diejenigen  Kapitalien  in  Betracht  kommen,
die  schon  in  Fabriken,  Gruben,  Eisenbahnen,  Staatsrenten  usw.  angelegt
sind  und  in  festverzinslichen  Papieren  bestehen.  Sie  erhalten  nicht  einen
Pfennig  weniger  Zinsen,  im  Gegenteil,  das  Sinken  des  Zinsfußes  hat  eine
Kurssteigerung  der  Papiere,  das  heißt  also  aller  früher  angelegten  Kapitalien
zufolge.  Alle  Kapitalisten  wissen  das  und  spekulieren  sogar  auf  diese
Voraussicht 1 ).
Das  Sinken  des  Zinsfußes  kann  daher  den  Anteil  des  Kapitals  nur
^soweit  verringern,  als  neue  Kapitalien  in  Betracht  kommen:  wenn  diese
Kapitalien  aber  zufälligerweise  eine  geringere  Produktivität  als  die  alten
Kapitalien  haben,  so  kann  es  sehr  gut  eintreten,  daß  ein  geringerer  Zinsfuß
einen  gleichen  oder  sogar  größeren  Abzug  gegenüber  der  Arbeit  bedeutet.
, as  ist  sogar  sehr  wahrscheinlich.  Der  Beweis  liegt  darin,  daß  die  Volks-^’irtschaftler,
  die  an  ein  allmähliches  Sinken  des  Zinsfußes  glauben,  als
rK'Urnent  gerade  die  Tatsache  anführen,  daß  die  Produktivität  der  neuen
^ a pitalien  gewöhnlich  geringer  als  die  der  alten  ist.
Mit  einem  Worte,  die  Frage  des  Zinsfußes,  die  einfach  eine  gewisse
ßziehung  zwischen  dem  Werte  des  Kapitals  und  dem  Wert  des
mkommens  ausdrückt,  ist  ganz  und  gar  nicht  dieselbe,  wie  die
1fa ge  nach  dem  Anteil  an  dem  Produkte,  der  den  Kapitalisten
den  Arbeitern  zukommt 2 ).
.  Vicht  nur  ist  der  Beweis,  den  Bastiat  seinem  Gesetz  der  Verteüung
fischen  Kapital  und  Arbeit  zu  geben  geglaubt  hat,  falsch,  sondern  auch
e  Theorie  selbst  wird  von  den  Tatsachen  widerlegt.  Es  scheint  sich  aller-(ln
 gs  aus  den  Statistiken  zu  ergeben,  daß  trotz  des  sogenannten  Gesetzes

6f)  p r  ™ n  l  er  Zinsfuß  von  5  auf  3%  sinkt,  wird  die  3%  französische  Rente,  die
®inkom  n  War ’  ^ r -  notiert  werden.  Daher  entsteht  keine  Verminderung  des
des  Zinsfuß 18 ’  Vermehrung  des  Kapitals.  Ein  gutes  Geschäft!  Die  Erniedrigung
Fällen  j U  ,j S  verrin gert  den  Teil  der  schon  angelegten  Kapitalien  nur  in  den  besonderen
VertiK 0  <enen  der  Borger  sich  dieser  Verringerung  bedienen  kann,  um  eine  Kon-,®
 r “ng  auszuführen;
Negerin  1  1S *  so  ric htig,  daß  wir  später  sehen  werden,  wie  Rodbertus  sich  auf  den
sich  auf  <-] Üer  These  Bastiat’s  stellen  konnte  und  nachzuweisen  versuchte,  indem  er
bellst  aS rl  e “ erne  Rohngesetz  stützte,  daß  der  relative  Anteil  des  Kapitals  beständig
übrig en ’ s  Un J  der  re Ktive  Anteil  der  Arbeit  beständig  sinkt.  Dieser  Beweis  scheint
Tolitio  ebensoweni g  begründet  wie  der  andere  (siehe  in  der  Revue  d’ficonomie
BieTl™ 11  ^ arz  einen  Aufsatz  Rist’s,  Deux  sophismes  üconomiques).
Vorbehalt  uf 6  Bastiat’s  findet  sich  auch  bei  Carey.  Die  liberale  Schule  hat  sie  ohne
Partit;  übernommen,  siehe  z.  B.  das  Buch  Paul  Leroy-Beaulieu’s  über  die  R6-Ion
  de s  Richesses.

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