Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Viertes  Buch.  Die  Abtrünnigen.

Errichtung  einer  neuen  Ökonomik  auf  historischer  Grundlage  geführt;
sogar  in  Deutschland  haben  sich  erst  in  diesen  allerletzten  Jahren  unseren
Augen  einige  der  Richtlinien  einer  solchen  Nationalökonomie  unbestimmt
in  dem  großen  Werk  G.  Schmoller’s  gezeigt“ 1 ).
Und  gerade  deswegen  hätte  die  historische  Schule  nachsichtiger  sein
sollen  hinsichtlich  der  zunächst  von  den  Klassikern  und  dann  von  den
Hedonisten  gemachten  Versuche,  auf  einem  anderen  Wege  jenes  instinktive ­
  Bedürfnis,  zu  befriedigen,  das  dem  menschlichen  Geiste  innewohnt
und  das  darin  besteht,  die  Wirklichkeit  zu  vereinfachen,  um  sie  besser
zu  verstehen 2 ).

Kapitel  II.
Der  Staatssozialismus.

Das  neunzehnte  Jahrhundert  begann  im  Mißtrauen  gegen  die  R®'
gierung  und  im  Enthusiasmus  aller  Schriftsteller  für  die  wirtschaftlich®
Freiheit  und  die  individuelle  Initiative.  Es  endigte  inmitten  beständig® 1 "
Rufe  nach  der  Einmischung  des  Staates  in  die  wirtschaftliche  und  sozial®
Organisation.  In  allen  Ländern  ist  die  Anzahl  der  Schriftsteller  und  Volks-Wirtschaftler,
  die  eine  Ausdehnung  der  ökonomischen  Funktionen  des
Staates  befürworteten,  stetig  gewachsen  und  bildet  heute  sicherlich  die
Mehrheit.  Dieser  Meinungsumschwung  ist  einigen  Schriftstellern  so  be-*)

  Ashley:  The  present  Position  of  political  Economy  (im  Economy
Journal,  1907,  S.  487).
2 )  Die  Geschichte  der  Statistik  hat  in  diesem  Buche  keinen  Platz.  Doch  * st
diese  Wissenschaft,  obgleich  sie  unabhängig  von  der  Volkswirtschaft  besteht,  ein®

so  wertvolle  Hilfe,  daß  ihre  Fortschritte  in  gewisser  Weise  parallel  verlaufen

Seit

etwa  20  Jahren  haben  sich  nun  die  Methoden  der  Auslegung  der  Statistik  W 11
sprechen  hier  nicht  von  ihren  Beobachtungsmethoden)  außerordentlich  vervol
kommnet.  Die  logischen  Probleme,  zu  denen  sie  Anlaß  geben,  sind  mit  großem  Schaf  ^
sinn  untersucht  worden,  und  die  Anwendung  der  Mathematik  auf  diese  Fragen  n&
sich  als  äußerst  fruchtbar  erwiesen.  Die  Theorien  der  Assoziation  und  der  Korrelation
die  über  Beobachtungsfehler  usw.,  gehören  zu  denen,  deren  Kenntnis  ein  Student
sozialen  Wissenschaften  nur  schwer  entbehren  kann.  Ihre  Geschichte  (in  der  m®
Anzahl  von  Namen,  von  Quetelet  bis  K.  Pearson,  aüfzuzählen  wären)  würde  es  vl  ^
leicht  verdienen,  in  einem  Kapitel  über  die  Geschichte  der  Methoden  ausgeführt  *
werden,  wenn  man  damit  nicht  Gefahr  liefe,  auf  diese  Weise  eine  ganze  Abhandlu
über  Statistik  einzuschmuggeln.  Wir  begnügen  uns  daher,  den  Leser  auf  das  BU
von  G.  Udny  Yule,  An  introduction  to  the  theory  of  statistics  (London,  19
hinzuweisen.  Er  führt  wohl  zurzeit  am  besten  in  die  Diskussion  über  die  Metbo  ^
der  Sozialwissenschaft  ein  und  gibt  eine  unentbehrliche  Ergänzung  zu  dem  Studi
der  im  vorliegenden  Kapitel  untersuchten  Probleme.
            
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