Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Weiterbildung der religiösen Ideen, soziale Revolution. 325 
Der Nürnberger Frühjahrsreichsstag von 1522 hatte über 
diese Vorlagen zu beraten. Es kam nichts zu stande; die Klerisei 
schrie, die Fürsten fehlten. Die Städte aber, aufgebracht 
durch einige provisorische Veranlagungen, in denen sie zu 
Gunsten der Fürsten unglaublich überschätzt worden waren, 
beschlossen, sich gegen den Reichszoll, der ihrem Handel drohte, 
energisch zu wehren. Nach dem Reichstage kamen sie im 
Sommer 1522 auf einem besonderen Tage zu Eßlingen zu— 
sammen und schärften die Waffen ihrer Gründe und ihres 
Einflusses für die Entscheidung, die im nächsten Reichstage 
fallen mußte. 
Es war der Nürnberger Novemberreichsstag vom Jahre 
15221. Die Städte erschienen auf ihm ungemein zahlreich 
und glänzend; langsam kamen die Fürsten. Die gegenseitige 
allgemeine Entfremdung lag in der Luft. Zum Ausdruck kam 
sie zunächst in einem nebensächlichen Punkte. Eine vom Kaiser 
erbetene Türkenhilfe sollte in Geld gezahlt werden. Hiergegen 
machten die Städte, welche bei dieser Art der Aufbringung 
übervorteilt zu werden fürchteten, den Vorschlag, sie wollten 
ihren Beitrag in Leuten stellen. Daraufhin ward ihnen am 
16. Dezember 1522 eröffnet: auf ihren Vorschlag käme es nicht 
an; was Kurfürsten, Fürsten und andere Stände des Reiches 
beschlossen hätten, das sei nach altem Brauch als Beschluß der 
Stände überhaupt zu betrachten. Es war klar: um später ge— 
gebenen Falls den Reichszoll durchsetzen zu können, bestritten 
die Fürsten den Städten die volle Reichsstandschaft, die zu er— 
werben sie ihnen eben gegen Schluß der Regierung Fried— 
richs III. behilflich gewesen waren. Und wirklich erklärte der 
Reichstag schließlich trotz aller Vorstellungen der Städte: die 
Städte hätten am Reichstag niemals wie die Fürsten ge— 
stimmt; seien sie hie und da in Ausschüsse gekommen, so sei 
das nicht auf Grund eines Stimmrechts geschehen, „sondern 
S. oben S. 302f.
	        
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