Full text: Die Frau und die Arbeit

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weiß, daß der weniger Tüchtige nicht an den Platz des 
Tüchtigeren gestellt werde und daß keine künstliche 
Schranke je die Tätigkeit der einzelnen Individuen, die wir 
Frauen zur Welt bringen, einenge. 
Aber man wird uns vielleicht weiter einwenden: Wie, 
wenn alle eure Träume und Hoffnungen für die Frau und 
die Zukunft des Menschengeschlechtes Luftschlösser wä 
ren? Wenn, so wünschenswert es auch sein möge, die 
Frauen nicht ausschließlich auf ihre Geschlechtsfunktion 
angewiesen wären und auch in Zukunft an produktiver 
Tätigkeit wenigstens ebensoviel Teil hätten wie in der Ver 
gangenheit — wie, wenn die Frau nicht imstande ist, 
denselben großen Teil der komplizierten und hauptsächlich 
geistigen Arbeit der Zukunft zu leisten, den sie an der 
größtenteils physischen Arbeit der Vergangenheit leistete? 
Wie, wenn sie trotz aller ihrer Anstrengungen und Opfer 
zur Erreichung des Zieles, eben jetzt, da die Arbeit der zivi 
lisierten Gesellschaft eine mehr geistige als mechanische 
wird, nicht ausreicht ? 
In den Gebirgsteilen der Schweiz begegnet der Reisende 
manchmal einer einsam die Bergfelder hinanklimmenden 
Frauengestalt, die auf ihren breiten Schultern eine gewal 
tige Ladung Futter für das Vieh oder Dünger für das Feld 
trägt. Fest und unerschrocken blicken die Augen unter der 
tiefgefurchten Stirn euch entgegen, und ein Haarsträhn, 
der vielleicht so weiß leuchtet wie der Schnee auf den Gip 
feln, sieht unter dem Rand des Kopftuches hervor. Das 
durchfurchte verbrannte Antlitz trägt die tiefen Spuren 
von Arbeit und Leiden, wie die Berglehne die Spuren von 
Sturm und Lawinen. Es ist das Antlitz einer, die mit Mühen 
und Sorgen Kinder zur Welt gebracht, und die schwer ge 
arbeitet hat, sie zu erhalten. Und wessen Auge nicht blind 
ist für die Phasen menschlichen Daseins, der wird in dieser 
abgearbeiteten Gestalt einen der mächtigen Pfeiler erblik- 
ken, die in den langen Jahrhunderten der Vergangenheit
	        
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