Full text: Die Frau und die Arbeit

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sprossen, die Griechenlands Größe begründet haben. Diese 
Frauen bilden den Unterbau ihrer Gesellschaft, so wie die 
festen, tief gegrabenen Grundmauern die Basis für die 
sichtbaren und schmuckreicheren Teile eines großen Tem 
pels bilden und seinen Aufbau und seine Haltbarkeit er 
möglichen. Nach Ablauf einer bestimmten Zeitepoche aber 
fand man in Griechenland bei den oberen Ständen keine 
derart kraftvoll arbeitenden Frauen mehr. Der angehäufte 
Wohlstand der herrschenden Rasse, der durch die Arbeit 
der Sklaven und unterworfenen Völker gesammelt worden 
war, hatte so ungeheuer zugenommen, daß kein Bedürfnis 
mehr nach physischer Arbeit von Frauen der herrschen 
den Klasse bestand. Als Gattinnen oder Maitressen, ein 
gesperrt innerhalb der vier Wände ihres Hauses, bedient 
von Sklaven oder Untergebenen, leisteten sie weder für 
ihre eigene Person, noch für ihr Volk das Geringste. Die 
geistige Arbeit war von den Männern in Anspruch ge 
nommen, die physische verrichteten die Sklaven und Un 
terworfenen. Einen Moment allerdings gab es zu Ende 
des fünften und Beginn des vierten Jahrhunderts, wo 
die Frauen Griechenlands innerlich schon ganz in Ver 
fall geraten waren, unter ihren Männern aber eine glän 
zende Blüte des Geistes herrschte, gleich den prächtigen 
Farben des Abendhimmels, wenn die Sonne bereits hin 
abgesunken ist; aber das Mark Griechenlands war bereits 
angefault und seine Lebenskraft im Erlöschen. Es vollzog 
sich eine immer wachsende Scheidung und Ungleichheit 
zwischen Mann und Weib, als der Mann in seiner Bildung 
immer fortschritt und neue Gebiete geistiger Arbeit betrat, 
während das Weib untätig zurück- und hinabfiel von der 
Lebensleiter, so daß zuletzt eine Kluft entstand, die selbst 
die Geschlechtsliebe nicht zu überbrücken vermochte. Die 
unnatürliche Institution anerkannter Homosexualität in den 
höchsten Schichten war ein, und zwar das ernsteste Resultat 
dieser Scheidung. Der unausweichliche, unüberwindliche
	        
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