Full text: Der Brotwucher

Der amtlich beglaubigte Brotwucher, 
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entichlüpfte den dort vertretenen Broterzeugern das offene SGeftändnis, 
daß das bis dahin den Behörden für die Brotpreisberehnung vorgelegte 
Kalfulationsfhema falfch it, daß darin unrichtige Koftenanfäße enthalten 
find, die feinerzeit, alS noch die Brotpreisfeftjegung durch die Landes- 
regierung Wien erfolgte, in f{Ylauer Weije verfteckt wurden, damit der 
Wiener Magiftrat, der die Brotpreiskalkulationen in den Bäckereien zu 
überprüfen Hatte, daran feinen AWnftoß nehme. Schon dieje Urt der 
Brotpreisberehnung macht e& offenkundig, daß alle jeit Jahren in Wien 
vorgenommenen Brotpreisfeltfegungen auf einer faljhgen Berechnungs- 
grundlage durchgeführt worden waren. Bezeichnenderweije wurde diefes 
Kalkulations8chema feitenz der Wiener Großbäckereien immer al8 ein 
amtlidhe8, vom Wiener Magiftrate angeblich genau Überbrüftes und 
genehmigteS hingejtellt. Wenn von irgendeiner Seite die Ungemeffenheit 
der Wiener Brofpreije angezweifelt wurde, mußte diejes Schema her- 
Halten. Na dem Ergebnis der „Enuquete“ und dem teilweijen Ein- 
gejtändnifje der Broterzeuger, daß das bis dahın benüßte Nalkulations- 
ichema faljche Anfäße enthalte, jah jich die Megierung veranlaßt, eine 
Überprüfung der Brotpreisfeftfeung in einzelnen Wiener Bäckereien durch 
die Wirtfchaftspolizei vornehmen zu Iafien. Das Ergebnis der Über- 
prüfung in einer Wiener SGroßbäckerei Hat bekanntlich zu der Feftftellung 
geführt, daß troß wohlmollendijter Beurteilung aller preiSbeftimmenden 
Momente in einer Woche im Auguft ein um mindejten8 270 Kronen 
per Kilogramm zu Hoher Preis gefordert wurde, eine Tatjache, die die 
Wirklichkeit nur fchwach andentete und auf die Gebarung der Brot- 
fabrifen ein grefle®s Licht warf. Anftatt nun mit aller Schärfe des 
SejeßeS gegen die Brotwucherer vorzugehen, teilte die Regierung der 
Öffentlichkeit mit, daß feitens des Vizekanzler mit dem Generaldirektor 
der AUnkerbrotjabrik eine Unterredung ftattgefiunden Habe, in welcher fi 
Derjelbe hHerbeiließ, im Hinblick auf den inzwijden eingetretenen Rückgang 
der Mehlpreije den Brotpreis um 100 Kronen per Laib, daz ift um 
17/, Prozent des bisher geforderten Preijes, zu ermüßigen, dieS, nachdem 
vorher der Brotpreis um 10—12 Prozent und darüber hHinaufgetrieben 
worden war! Um den Hohn für die fonjumierende Bevölkerung voll 
zu machen, wurde noch Hinzugefügt, daß fihH die Gefchäftsführung der 
Brotfabrif der Tragweite einer angemeffenen Preisfejtjebung bewußt fei 
und das ANgemeininterefje wahrnehmen wolle. Die Verwaltung der 
„Qammerbrotwerke“, die durch die Feftftellung der Wirt/chaftspolizei in 
der Ankerbrotfabrif mitgetroffen war, Hatte vorher {don wiederholt das 
aleiche beteuert und ihr Sprachrohr, die „Arbeiter- Zeitung“ durfte nicht
	        
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