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Bon Zöllen, Steuern und fonftigen Abgaben.
jagen: „Mir kann nix g’iheg’n!“ DennohH — fein Elan war groß-
artig. Die Zufchauer Hatten freilich den Eindruck: Er meint’s nicht fo
bö8, denn er i{t ja gar Fein Löwe, nur ein Parlamentarier mit der
Qowenhaut. Aber er fpielte den Löwen famo3! Mit Zettel, dem Weber,
fonnte ex rufen: „Sch will brüllen, daß daz Volk jagen joll: ‚Noch
mal brüllen! Noch mal brülen!‘“ Und: „IH will euch fo janft brüllen
wie ein fäugendes Täubchen, will au brüllen wie ’ne Nachtigall.“ Alfo
Mötete ec donnernd und donnerte flötend, daß der Zolltarifentwurf —
wiewohl „ein ganz elendes und unbrauchbares Machwerk“ — ein nvt-
mwendiges Infirument für die Handel&vertragsverhandlungen fei und daß
e8 nur noch um das allgemeine Niveau des Zolltarifs, das jedenfalls
viel zu hoch, gehe... So glitt unjer Held auf die gleitende Zollikfala
für Getreide hinüber, die das Heinere Übel jein fol, weil — nun, weil
mit den Agrariern dann auch die Konjumenten und mit diefen auch die
Agrarier nur halb zufrieden fein würden, beiden alfo zur Hälfte wenig{ten?
geholfen fei. Bei fteigenden Getreidepreijen brauchen die erfteren 3Zoll-
jhugß und haben die Konjumenten nur den Hohen SGetreidepreis ohne oder
mit mäßigem Boll zu zahlen; bei Jinfenden Preifen allerdings hätten die
Konfumenten feinen Vorteil, weil fie dann den Zoll entrichten müßten,
jogar einen Höheren, als in dem erften Regierungsentwurf vorgefehen
war. Danach war den Agrariern das Rifiko der finkenden SGetreidepreife
erfpart 5 dafür den Konjumenten die Ausficht genommen, 013 den Preis-
fenkungen Nugen zu ziehen. Wie {ih das Syitem in der Praxis aus-
wirfen wird, bleibt abzuwarten. Eine Borausfegung it, daß der „Aus-
gangsprei8“ für Weizen richtig gewählt und daß [ich das Schwanfken der Welt-
marftpreife mechanijch regulieren und nivellieren lafje. Auch fol nicht weiter
bezweifelt werden. ob fih die Anwendung der Bollfäge, die in kurzen
Intervallen nach den von Ernte und Spekulation diktierten Weltmarkt»
preifen verrechnet werden müfjen, tehnifch fo leicht fein wird, ob nicht
bei Feftfebung der DurchieNnittspreife Durchftechereien möglich find und
die Spekulation dann erft recht gefördert wird. Davon abgefehen, fann und
wird e8 natürlid yaffieren, daß Roggen gerade dann, wenn er im reife
fteigt, mit einem höheren Zollfag getroffen wird al8 Weizen, Deffen
reis finkt. Denn zwijhen Weizen und Roggenzoll hat das Genie
unferes Dr. Dtto Bauer eine Bindung erfonnen; der lebtere toll {ich
nach dem Weizenpreis richten. WazZ nüßt eS dem Konjumenten, wenn
diefer fällt, der Koggenpreis aber troß feines Steigenz mit einem Höheren
Bolljag belegt wird? Das Brot befteht zu drei Bierteln aus KRoggen-
mehl. Daz Sunktim zwilchen Weizen» und Roggenzoll bewirkt alfo, daß