Full text: Der Brotwucher

Bom Brotpreis und Bäckerprofit. 39 
Ralkulationen durch die politijdhen BezirkSbehörden dient. "Der Fach: 
mann gelangt zu folgendem Refümee: „Nach den vorgenommenen Vers 
iuchen bewegt fich die Backausgiebigkeit, daZ Heißt das Verhältnis zwifchen 
Brot und Mehl um 140 Prozent herum. Eine Erhöhung diejer Er. 
giebigfeit ift namentlid durch Beimijhung von Weizenmehl zum Roggen- 
mehl möglich. Wird Weizenhintermehl beigemengt, {ft die Erhöhung 
nicht bedeutend. Wird aber Weizenvordermehl (Nr. 1) zugejeßt, para- 
{yfiert wieder der (Höhere) Mehlpreis vollftändig die größere Crgiebig»- 
feit. Der Heutige Brotpreis entfpricht dem Börjenpreis von Mehl 
“Roggengleidhmehl); e3 ift daher Heute einzig berechtigt, daß 1 kg Brot 
‘Rornbrot) für I kg Mehl verkauft werde, worin bereits ein fünf 
prozentiger bürgerlidger Gewinn einbezogen ift. In dem Falle, 
daß die Erzeugung noch mit der Erzeugung von Luzusgebäck kombiniert 
mird, muß der Preis höher, das Heißt der Gewinn Höher fein.“ 
Unfere Regierung bot den Bädern diefe Kalkulationsformel mit 
einem Aufichlag von weiteren 5 Prozent an. Die Herren Haben aber 
dieje Formel abgelehnt, ihnen genügt alfo ein bürgerlicher Nußen von 
LO Prozent nicht. Wir aber jagen: Wer mit diejer Hormel: Mehl- 
prei8 gleich Brotpreis nicht auzkommt, der verrät damit eine ungezligelte 
Profitgier oder aber fein Unvermögen, eine Bäckerei Sfonomi[dh-rationell 
‚u führen. Auf alle Fälle ift ein Nußen von 3 Prozent, wie gezeigt, 
reichlich hoch. 
Allein wir wollen in unferer Konjumentennoblefje — leben und. leben 
fafjen! — den p. t. Aktionären der Brotfabrifen nach reichligen Ab- 
iOreibungen, Riskenzujchlägen 2Cc. einen noch Höheren Profit zubilligen 
und die GefteHungsSIoften mit 7500 K pro Laib annehmen, wiewohl 
28 mehr al? fraglich ift, ob gerade bei Brot ein jo ftark valorifierter 
Gewinn gerechtfertigt werden kann. Denn die Tatjache, daß das Wiener 
Brot vorher Jhon Jeit Jahr und Tag beträchtlich überteuert ft, darf nicht 
vergefjen werden und e& wäre längft am Plabe gewejen, die Kriegsver- 
diener, die das Doppelte und Dreifache von dem, was anderen Vebens- 
mittelhändlern eine Verurteilung nach dem Preistreibereigejeß zugezogen, 
zinfaden und gleichfalls der Preistreiberei fhuldig find, verurteilen zu 
(afjen, wenn — nicht der Grundfag gelten würde, daß man Bloß die 
Heinen Diebe einfperrt ... . Sie wollen unZ jogar einreden, daß aus 
100 kg Brotmehl HöchHjten8 112 Laibe Hergeftellt werden Können. Im 
Militärbäückereien it daZ niedrigfte Waffer-Mijdhungsverhältnis 100 : 65, 
mas die Herftellung eines Brotes von gutem Gefjdmack und hohem Nähr- 
wert ermöalicht. AlMerdinaZ it in einer Militärbäckerei jedes Iapita-
	        
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