Bon Brotpreis und Bäcerprofit. 41
Rilogramm Roggen ift um 550 K billiger, das Brot ift aber in der gleichen Zeit um
30 K teurer geworden. Um 1. April 1923 Koftete der Roggen 3700 K, Wenn ih als
Stichtag den 1. Juni annehme, wo der Roggen 3400 K Koftete, fo bedeutet das gegen»
über dem 1. April 1928 eine Verbilligung von 300 K. Um 1. April Koftete das Brot
56380 K, am 1. Juni 6780 K, fo daß der Moggen um 300 K billiger, daß Brot
jebodh um 150 K teurer geworden ift. SZeßt win Ih nodh einen Vergleich ziehen zwijchen
den Prozentanteilen von Mehl und SGeftehungspreifen an dem Vrotpreife heute und im
Jahre 1914. Wenn id den Roggenmehlpreis mit 14.400 öfterreichtfhen Kronen valo-
rifiere nnd mir vor Augen Halte, daß aus 90 dg Mehl ein Laib Brot im Gewichte
von 1260 g erzeugt wird, und feftftelle, daß das Mehl zur Erzeugung eines Laibes
Brot in diejem Gewichte im Jahre 1914, valorifiert, 4212 Heutige K Koftete, Iomme
9 zu folgendem Schluffe: Jm SIahre 1914 murden bei der Erzeugung eines Laibes
Brot im bezeichneten Gewichte 781 Prozent an Mehl aufgewendet. Die SGeftehungs-
fojten Jamt dem Nugen des Erzeugers außerhalb des Mehle8 waren 219 Prozent, Am
1. Juni 1928 fofteten 90 dg Roggenmehl 4410 K. Die Aufmendung war bei einem
Laib Brot an Mehl 65 Prozent und an anderen GSeftehHungskoften 35 Prozent. Auf
diejen Gebiete {ft alfo eine Verfchiebung eingetreten. Die Verihiebung kann ja ver-
Iiedene Urfachen Haben. Zunächft einmal in der Broterzeugung an und für fih. Es
wird behauptet, daß zur Erzeugung von 100 Laib Brot durchinittlih 32 kg Kohle
otwendig find. In der Vorkriegszeit wurde für 100 Latd Brot bedeutend weniger
Rohle aufgewendet, weil die Kapazität des Unternehmens — fei e8 ein Bädermeifter
oder ein Großbetrieb — bedeutend beffer ausgenüßt wurde.”
Der Abg. Elderfch verfuchte, einen Teil diefer Angaben zu wider-
legen, indem er für 1914 einen Mehlanteil von 63:6 Prozent des Brot-
preifes, für Juni 1923 einen foldjen von 65 Prozent berechnete, wonach
li die Regien von 36:4 auf 35 Prozent vermindert hätten. Auf den
Rernpunit der Frage, ob nämlich auch der VBäckerprofit eine Senkung
erfahren habe, ging er vorfichtshalber nicht ein. Erwmägt man, daß gemäß
der von den Broterzeugern vorgelegten Preiskalkulation vom 8. Mai
1922 der Mehlanteil 72 Prozent, im November 1922 67:8 Prozent,
;m März 1924 60 Prozent, im Iuli 1924 57:5 Prozent betrug, dann
jieht man, daß e3 neben dem ausjchlaggebenden Mehlpreis noch andere
aktoren gibt, die den Brotpreis hHinaufregulieren. Eine weitere Unter-
inchung zeigt, daß nicht jo fehr die Lohn- und Sachregien, al8 vielmehr
der „bürgerlidhe“ Gewinn der Brotfabrikanten und Bäcker diefes Wunder
sollbringt.
Wie jehr in der leßten Zeit der Brotpreis vor dem Mehlpreis
KReißan® genommen hat, wird aus nachftehender Aufftellung erfichtlich.
So jwierig e8 ift, das fjtatiftijche Ziffernbild zu deuten, fo unzweifel-
Jaft geht daraus Hervor, daß fih der Brotpreis nur zögernd, wenn
überhaupt, der Bewegung der Getreidepreife anpaßt, wenn fie nad unten
ührt. Ganz anders, wenn diefe fih aufwärts bewegen: dann fchnellen