Bom Brotpreis und Bäcerprofit.
die Brotpreije mit einer bewunderungswürdigen Präzifion hinauf. Bloß
in den legten Monaten Hat der Druck, unter dem die Broterzeuger durch
Breffe und Regierung gehalten wurden, hiervon abgehalten. Und noch
mehr! Auch die Spannung zwiichen Getreide- und Brotpreis Hat fich
zeitweilig {tarf vergrößert. Obgleich die MehlauZbeute infolge verbefjerter
Technik reichlicher geworden, muß der Konfument für die Umwandlung
von Getreide in Brot mehr al? früher bezahlen. Hierbei fpringt es in die
Augen, daß die Steigerung vornehmlich auf das lebte Stadium ent-
jällt, den daz Kohmaterial zu durchlaufen Hat, ehe e& als Brot an den
Ronfumenten gelangt. SGetreide- und MehlhHandel madhen natürlich gleich»
falls ihren Schab. Allein felbit dann, wenn die Spannung zwijchen
Getreide und Mehlpreijen die Tendenz verrät, geringer zu werden, hat
der Konfument wenig oder nicht davon. Unter diefem Sefichtswinkel
betrachtet, fällt die Brotteuerung um jo jHwerer in3 Gewicht. Eine ein-
gehende Analyje der Preisbewegungen in dem legten Jahrzehnt würde
die befremdende Tatjache, daß die Spannung zwijchen Rohprodukft und
Backware gerade in der Nachkriegszeit fprunghaft größer geworden ift,
noch deutlicher machen. Das Halbjabrikat ifjt daran nur teilweife bes
keiligt; da auch die übrigen Materialkoften und Spefen nicht volfionmmen
zur Erfärung der vergrößerten Spannung hinreidhen, kann e& nur der
Bäckerprofit jein. Er ift e&, der der Brotteuerung den Stempel aufs
drückt und die Frage aufroNlt, ob die Brotverjorgung in den Händen
ijt, in welchen fie jeder wirt]aftlich einficghtige Menfch wünjhen muß.
&8 wäre töricht, von den privaten Broterzeugern Mößigung zu ver-
langen, wenn feine foziale Macht fie dazu nötigt und die Konkurrenz
cationell betriebener Gemeinjchaftzbäckereien fehlt. Sind foldhe nicht vor-
Janden? Und wenn: Warum verjagen fjie? Das ift die Frage. Doch
betrachten wir vorerft noch die Zahlen der nebenftehenden Tabelle.
Das Bild verdeutlicht ein Vergleich mit der Vorkrieg3zeit: Im
eriten Halbjahr 1914 Koftete 1 kg Weizen 0:246 K, Roggen 0:197 K,
Koggenmehl 0:24 K, gemijchtes Brot 032 K; die Spannung zwijchen
Roggenmehl und Brot betrug 8 h. Im Oktober 1922 waren Die bezüglichen
Bahlen: Weizen 4290, Roggen 3525, RKoggenmehl 4987, Brot 5048,
die Spannung 61. Die übrigen Kalkulationspoften haben eine geringere
(wie Kohle) oder gar keine Steigerung erfahren (wie Löhne); e8 it der
Bäckerprofit, der übervalorifiert wurde.
Bedarf e& noch weiterer Iluftrationsfakten, Indizien und Kom»
mentare? In dem Zeitraum von 2 Jahren (Oktober 1922 bis Mitte
September 1924) hat fih die Spannung zwilhen Mehlpreis und Brot-