Full text: Der Brotwucher

Bom Brotpreis und Bäderprofit. 
In diefer Beziehung {teht Wien einzig da. Denn ein Rundbliek auf 
andere Städte zeigt, daß dafelbft die Broterzeuger {ih doch nicht fo 
übernommen Haben, wenngleich auch fie reichlich verdienen. So betrug 
der Brotpreis in Linz Ende Juli 1924 6600 K bei einem Koggenmehl- 
prei8 von 4500 bi8 4600 K für Nr. 2; 4700 bis 4800 K für Nr. 1 
und 5200 K für Nr. O und einem Weizenmehlpreis von 6000 bis 
6400 K, Sn Innsbruck Mitte Uuguft 1924: Brotpreis 6400 K, Land- 
Brot 5800 K bei einem KRoggenmehlpreis von 5900 und 6300 K, 
Weizenbrotmehlpreis von 5900 K. In Brünn wurden (Anfang Auguft 
1924) Qaibe im Gewichte von 1400, 2800 und 4200 g verkauft. Dort 
gilt noch der Grundfag, daß der Brotpreis der gleiche ift wie der Preis des 
Brotmehles von demijelben Gewicht, weldheS in 68 prozentiger Ausmah- 
fung 220 K& und mehr Koftet. In Prag ftellte fih im April 1924 ein Laib 
Scywarzbrot zu 980 g auf 2:40 K& bei einem Mehlpreis von 220 KE für 
L kg. Das ergibt bei einer Umrednung auf Wiener Bafis einen um 930 K 
höheren Preis in Wien als in Prag, obzwar dafelbft das Mehl um 345 K 
teurer ift. Auch in Prag behält das vorhin erwähnte Verhältnis zwijchen 
Brot: und Mehlpreis im großen und ganzen Geltung. In München ftellte 
fich Mitte Juli 1924 der Preis für 500 g Hausbrot auf 0°18 (Gold) Mark, 
YKtoggenmehl auf 23:50 Mark, die Fracht auf 4:38 Mark, Weizenmehl 
auf 34°50 Mark, in Berlin Ende Iuli 1924 auf 28 (Gold) Pfennige für 
L kg Noggenbrot bei einem Roggenmehlpreis (gute DurchiHnittsqualität) 
von 24 Mark für 100 kg im Großhandel und auf 63 Pfennige für 
Lkg Weizenbrot bei einem Weizenmehlpreis von 30 Mark für 100 kg 
befter Yualität. Die Glorie des Wiener Brotpreijes überftrahlt dem- 
nach turmhoch andere Großfjtädte. Nimmt man den Übergewinn nur 
mit 1000 K pro Laib an, fo ergibt dies bei 100.000 Laib täglich 
100,000.000 K, bei 500,000 Zaib Tagesproduktion 500,000.000 K, 
bei einer JahHresproduktion 150.000,000.000 K, Der Tribut, den die 
Wiener in ihrer Sndolenz an die Broterzeuger entrichten, weift alfo 
wahrhaft aufreizende Dimenfionen auf. Im Verein mit der unverant- 
wortlidgen Schlaffheit der Regierung und bei dem Fehlen einer wirkjam 
preisregulierenden: Konkurrenz find die Krieg&verdiener in der bequemen 
Lage, auch in der Nachkrieg&zeit Kriegsgewinne zu erzielen. Quousque 
tandem? Wie lange noch fol der Abhröcklungsprozeß der Kauffraft 
der Krone durch die Koalierten Bäcker fortgefegt und ihre Gönner be- 
günftigt werden? Hat die Regierung fein Interefje daran, der Sabotie- 
rung der öfterreichifchen Währung Einhalt zu tun? Soll der Inder noch 
weiterhin iteigen? Will fie wie bisher den Velz wafchen, ohne ihn naß
	        
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