Full text: Der Brotwucher

Rom Brotpreis und VBäderprofit. 
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u machen? Etwa mit „Richtlinien“ oder mit ähnlidhem Mumpig dem 
Brotwucher einen Schußbrief ausftelen? Will fie die volle Auswirkung 
des Getreide- und Mehlzolles abwarten, um dann erft mit halben Mitteln 
zaghaft die überbalorifierten Gewinne der Broterzeuger ein wenig zu 
itugen? Oder Haben dieje einen fittligen Anjpruch auf eine Übervalori- 
fierung des Profits, wie fie fonft in keinem Gewerbe vorfommen, weil 
der Staat an diefem erhöhten Profit durch Höhere Steuereinnahmen 
beteiligt ift. Oder aber will fihH die Regierung von den Brotfabrikanten, 
deren Preispolitik jehr zweck und zielbewußt ift, etwa gar zu einer Auf- 
debung des Nacgıbackverbotes drängen Iajjen, um den Profitjägern, die 
felbft nicht auf ihren Übergewinn verzichten wollen, Gelegenheit zu bieten, 
iore Hände in Unjhuld zu wajgen? Von der Beantwortung bdiefer 
ragen hängt mehr ab, als fich die Negierung in ihrer Schulweisheit 
und die Broterzeuger in ihrem Übermut träumen affen. 
Der übermäßig Hohe Brotpreis, der für die Großitadt Wien ebenfo 
Harafkteriftijch ft wie die Tuberkuloje („Wiener Krankheit“), die nach 
einem ärztlichen AusfpruchH nur dem billigen Brote weicht, it vor allem 
aus dem übervalorifierten Bäcerprofit zu erklären. Nicht umfonft begehrten 
bie Broterzeuger aller politijhen Glaubensbefenntnifje von der Regierung 
bie Wiederherftellung eine® amtlidH genehmigten Kalkulationsjchemas. 
Hinter diejem Paravent ließ fichH die Beute, der übervalorifierte Brot- 
preis, ungejehen verbergen. Wir haben Ihon erzählt, woher das treff- 
liche Profitinfirument |tammt. Daz von der Landesbhehörde jeinerzeit im 
Sahre 1922 zur Kenntnis genommene Kalkulationsichema, auf das fi 
die Broterzeuger fo gern beriefen, wurde einfeitig von den Brotfabri- 
Fanten aufgeftellt, ohne daß die Behörde vorher eine genaue Überprüfung 
burdgeführt Hätte, wozu fie freilich mangels an Mitteln und geeigneten 
Kräften gar nicht befähigt war. Diefes ganz einfeitig und bewußt falich 
aufgebaute Schema wurde insbefondere im Sommer 1924 dazu benüßt, 
um die vorgenommenen Preiserhöhungen plaufibel zu machen und den 
mirkflidhen Heingewinn zu verfchleiern. ES hätte daher nicht erft der legten 
Preiserhöhung im Anguft 1924 bedurft, um einen beträchtlichen Übergewinn 
der Broterzeuger feftzuftellen. 
Wenn nun fjhon die unvolljtändige Überprüfung des Brotpreiies 
von 8000 K einen Übergewinn von 271 K ergab, dann ift es Har, daß 
diefer Betrag keineswegs die wirkliche Übertenerung des Brotes aus 
drückt. Zu diejer Überzeugung muß jeder objektive Beurteiler der Tat- 
jachen gelangen, die für die Kalkulation des Brotpreijes in Betracht 
fommen. Ausfchlaggebend für den lebteren find die Getreide: und Mehl-
	        
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