56 Bon den Hammerbrotwerken und ihrem Funktionswandel.
liftijdgen Kniffen über den nicht zugefrorenen Bodenfee tanzen und von
Utopia das goldene Vließ holen zu Können. Die Folge war, daß die-
jemigen, die auSzogen, den Drachen Kapitalismus zu töten, mit ihm
zine A. S. bildeten, die aber, wie fih Herausftellte, nur eine G. m. b. H.
war, das heißt eine SGejellichaft mit jehr befchränkter Haftung.
Da man vor Kritik und entjchiedenem Widerjpruch in den eigenen
Reihen fiher war, ging die Kontrolloje Wirtfchaft ungehemmt weiter. Im
Sahre 1917 fhritt man jogar zu neuen Inveftitionen, die anZ den
laufenden Einnahmen leicht gedeckt wurden. Anfangs hHegte man die vers
rückte Wbjicht, den Schwechater Betrieb auszugeftalten, befann fich jedoch
glüclidherweife eine& befjeren und kaufte eine in Yloridador] gelegene, gılt
eingerichtete Fabrik, welche einer ungarijchen Sejellichaft gehörte, die fie
trog ihrer Rentabilität Cosichlug und deren Ware großen AWbjag
hatte.*) Gleichzeitig pachtete man eine Unzahl Wiener Kleinbäckereien, die
jpäter mit anderen Käuflihh erworben wurden und deren Erträgnifje im
Verein mit jenen der Jloridsdorfer Fabrik den Hammerhrotwerken zugute
famen. Auf diefe Weije wurde der tehnifch und organifjatorijch fehlerhafte Be-
trieb in Schwechat über Wafjer gehalten.**) Allein die gewaltige Ausdehnung
der Produktion, die fi feit der Einftellung der Kriegslieferungen und dem
Nobau der zentralen LebenzSmittelbewirtihaftung durch den Staat nicht mehr
auf defjen Kredit {tüßen Konnte, ließ nunmehr den Mangel an eigenen
Mitteln um fo empfindlicher verjpliren. Die großen Kriegagewinne waren
verpulvert durch die neuen Erwerbungen und umfangreichen Inveftitionen,
die Übrigen? zum Teil au aus der Sachdemobilifierung beftritten
worden waren; alsbald befand man jih wieder dort, wo man einft
gehalten Hatte; nicht weit von dem Stande der Dinge im Frühjahr1914.
Auf den Schwechater-Unternehmen afteten große (anfangs von der
Zivnostenzfa, dann von hHoländijhen Verficherungs-Sejelljchaften auf-
genommene) Hypothefarkredite : ***) außer dielen Hauptaläubigern waren
*) 3m Sahre 1915 wurde bei einem Umjage von 13 Millionen Kronen eine
Dividende von 74 K ausgejhüttet. Der verhältnismäßig beicheidene Reingewinn von
194.619 K murbde dem Umftande zugefchrieben, daß die Gefelljhaft nur im geringen
Maße an Heereslieferungen beteiligt war und fihH in der Hauptfache auf die Erzeugung
bon Brot zu dem amtlich fejtgefeßten Preije bejchränkte.
**) Die Schwarzbrotbäderei mird dafelbft vorausfichtlidh ganz eingeftellt werden ;
ob die teure Majdhinenanlage eine andere Lohnende Verwendung erhalten kann, {od
bier nicht unterfucht werden.
*s*) Die Tichechen Hatten 2 Millionen, die ihnen alsbald folgenden Holländer
3 Millionen grundbücherlidh eingetragen. Offiziell werden 1!/, Millionen angegeben.
Ob inzwilchen eine Abzahlung ftattgefunden hat, ift unbekannt.