Full text: Der Brotwucher

70 Bon den Hammerbrotwerken und ihHvem Zunktionswandel. 
Natürlich Haben die Hammerbrotwerfke mit Hilfe ihrer freiwilligen 
und unfreiwilligen Agenten alles Möglide aufgeboten, um den 
wahren Sachverhalt zu verhüllen. Sie werden e& au in Zukunft 
tun nach dem jefuitifjchen Grundfjage: Si kecisti, nega. Wenn du was 
angeftellt Haft, ftreite e& ab. Allein keine noch jo fJophyftifjd abgefaßten 
Kommuniques — Kreuzelinjerate würde fie die „Arbeiter-Zeitung“ 
nennen, wenn fie in bürgerliden Blättern erfdhienen wären — und keine 
phrajengejdwollenen Salbadereien der gewifjen Konfumentenretter *) 
fönnen über die Schande hinwegtäujdhen, daß die Hammerbhrotwerke hinter 
den Kuliffen dazı beitragen, die Regierung zu bewegen, daß fie 
einen Brotpreis zur Kenntnis nehme, der nach dem fHlechteft rentierenden 
Betriebe Falkuliert ift und jpeziell der Rentabilität der Schhwecdhater Fabrik 
ent/priht. Ob folde Schiebung notwendig war? E88 find nur zwei 
Dinge möglich: Entweder können die Hammerbrotwerke ihren Hohen 
Preis rechtfertigen, danın brauchen fie feinen amtlich genehmigten Höchit- 
preis, fein Kalkulationsjhdema, Feine Kichtlinien; dann brauchen 
jie au nicht das Preistreibereigefeß zu fürchten. Oder 
fie fönnen ihren Brotpreis nicht rechtfertigen, dann allerdings ... 
benötigen fie anfcheinend eine Sicherung gegen den Strafrichter. Weil 
dem fo war, follte eine Kommijjion die Kalkulationsgrundlagen Der 
Hammerbrotwerke revidieren. Jedermann lachte über dieje Farce einer partei- 
mäßigen Revifion, die fih auf das Schwechater Werk befchränkte, wiewoh! 
im ganzen 30 Bäckereien zum Hammerbrotfonzern gehören, darunter auch 
Fabriken, zwijchen welchen die Geftehungskoften des Brotes um zirka 
2000 Kronen differieren. Daß unter den Bäckereien des Konzerns die 
Schwecdhater Fabrik weitaus am teuerften produziert, ijt eben daz Trau- 
rige. Und weil hier die Ge/häftsführung auf normalem Wege keinen Sewinn 
aus dem Unternehmen hHerausmünzen kann, jollen die Abnehmer des guten 
Hammerbrotes jo gut fein und einen übervalorifierten Brotpreis für die 
Erzeugnifje aller Bäckereien zahlen. Und nicht bloß jür fie, für die Be- 
triebe Des Hammerbrotfonzerns, jondern auch für das Brot der Kon fu m: 
genojfjen]haft Wien, der die gleide Preispolitit aufoktroyiert 
wurde — ein Diktat, das durch nicht3 zu rechtfertigen und ein Skandal 
jür fi ift. Das jo Fünftlich vertenerte Brot zu kaufen, foll aber Partei- 
pflicht fein, Joll von der Barteidifziplin geradezu gefordert werden! Die 
Käufermoral joll darin beftehHen, unbejehen jeden Preis, au Überpreife, 
zu bezahlen; die Verkäufermoral — ja. Bauer, dazZ ift wa anderes. 
*) (& wird fi noch die Gelegenheit ergeben, die Maske diefer Lomijchen Konfumenten- 
bertreter ein wenig zu lüften.
	        
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