Full text: Der Brotwucher

16 Folgerungen und Forderungen. 
diefelben, nachdem fie Hinter dem Vuich ertappt und verwarnt worden, 
jojort mit einer neuen Brotpreiserhöhung vor, gleihfam um zu beweifen, 
daß auch ohne Maxyimalpreis die ftrafloje ShHröpfung des Konjums eine 
Leichtigkeit fjei und daß fie auf eine Übervalorifierung des Brotpreijes 
ein unantaftbares Recht Haben, auch wenn fein behördlih anerkanntes 
Ralkulationsfichema ihnen die Wattform dafür abaibt. 
Schluß. 
Zolgerungen und Forderungen. 
MÄber wie ift unz denn? Wir leben doch im Zeitalter der Demokratie 
and haben e8& gar Herrlich weit gebracht? Ja — politifh; wirtichaftlich 
liegen die Dinge freilich anders: wir nähern uns — nicht einmal Langjauı, 
jedenfalls jidher — einem Brotpreis von 10.000 K, wa® wohl weniger 
erfreulich ift. 
„Ach, du willft die Demokratie JHmähen,“ fhnaubt mir ein ent: 
rüfteter Marat mit Heiferer Stimme entgegen und er {Hüttelt die Fauft 
zegen mich. „Du Verräter, dır Volksfeind .... Weißt du nicht, daß der 
Krieg an allem jhuld ift? Der Krieg, die Sanierung, die Regierung, 
die Agrarier, die Mühleninduftriellen, die Getreidehändler, die Speku- 
lanten, die Börfenjobber, mit einem Worte: die gottverdammten „Bourgevis”, 
die ihren „Kapitalismus“ nicht aufgeben wollen!“ 
„Semach, mein heijerer Marat! Bevor du mich, den „VBolksfeind“, 
durch deine kompakte Majorität fteinigen, beflegeln und mit Unrat be- 
werfen läßt, nimm zur Kenntnis: Ich bin der legte, der dem Kapitalis- 
mu8 die Stange halten möchte. SGewiß, da3Z privat-Kapitaliftijche Syftem 
mit jeiner Manchefterei it jhädlih, aber warum Habt ihr es dann 
zur Grundlage eurer Brotproduktion gemacht? Ih wiederhole mit 
St. Suft: ‚Das Brot ift das Recht des Volkes!‘ Und nicht nur das 
gute, auch da? billige Hammerbrot! . .. Sollte das wirklich unmöglich fein ?* 
Und wenn e8 euch unmöglich ijt, warum hindert ihr die Konfum- 
vereine, billiges Brot zu erzeugen und jHiebt die Schuld auf andere 
Leute? Laßt do das Brotbaden, wovon ihr offenbar wicht? verfteht, 
und bleibt bei der Politik, die ja gleichfalls ihren Mann nährt... .*) 
;*) Das mag fie auch. Denn: Man fol dem Dchjen, der da drifcht, nicht das Maul 
verbinden. Aber „dreihen“ muß er! Selbitverftändlih kein leere8 Stroh!
	        
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