Object: Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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I. Buch. Production und Consumtion. 
Landstraßen, ja selbst Eisenbahnen erbaut werden, die sich als ganz überflüssig 
erweisen oder doch für die betreffenden Oertlichkeiten und Gegenden nicht paffen 
und wenig benutzt werden, während es anderwärts an alledem mangelt. 
Vor allem aber kommt es vor, daß eine Menge dem Verderben oder der Be 
schädigung ausgesetzter Güter wirklich verdorben und beschädigt werden, weil 
sie zu lange aufbewahrt werden mußten, indem sich die Handelsleute bezüglich 
der Absatzverhältniffe getäuscht hatten. Bei einfachern Formen des Productions- 
organismus lassen solche Verluste sich leichter vermeiden. Wenn sich hingegen 
Güter nicht in ihrer Qualität verschlechtert haben, sondern nur im Werthe 
gesunken sind und um jeden Preis losgeschlagen werden müssen, so ist der 
Verlust, vom Gesichtspunkte der Nationalwirtschaft aus, nicht nach dem Be 
trage dieser Entwerthung zu berechnen, denn ein guter Theil des vom Ver 
käufer erlittenen Verlustes wird durch den Gewinn des Käufers ausgewogen. 
2. Die Zunahme mißleiteter Consumtion. Diese Wirkung der 
hoch entwickelten Arbeitstheilung ist vielleicht noch verhängnißvoller als die vorige 
und noch nicht genügend gewürdigt worden. Zu allen Zeiten sind Unwissen 
heit, Thorheit oder Laster die Ursachen gewesen, daß Menschen Dinge con- 
sumirten, welche entweder überhaupt nicht heilsam für sie waren oder ihnen 
doch mindestens weniger Vortheil brachten als etwas anderes, was sie sich 
sonst Hütten verschaffen können, und daß sie auf diese Weise ihr Einkommen 
mehr oder weniger schlecht verwendeten. Wo nun aber die Arbeitsorganisation 
eine complicate ist, wie das in unserer Zeit der Fall ist, liegt es im Interesse 
vieler Leute, schädliche oder unnütze Gegenstände zu produciren und eine 
schädliche Consumtion zu begünstigen. So werden gegenwärtig in den euro 
päischen Culturländern in großem Maßstabe Dinge erzeugt, die für billig 
ausgegeben werden, in Wahrheit aber nicht billig sind, wenn man nämlich 
den Begriff billig in dem Sinne versteht, daß die Kosten der Gegenstände im 
Vergleich mit dem von diesen gewährten Nutzen geringe sind. Die enormen 
Massen von schlechtem Bier, schlecht bereitetem billigem Brode, wohlfeilen Klei 
dungsstücken aus schlechten Stoffen, verfälschter Butter, von Schuhwerk aus 
schlechtem Leder, das auf der Maschine genäht ist, von Häusern aus ungeeig 
netein Material und ohne Gewähr der Solidität, von Möbeln aus frischem 
Holz, die mit Nägeln zusammengefügt sind, stellen sich in Wirklichkeit als 
nicht billig heraus, und das für sie ausgegebene Geld ist verschwendet. Alle 
diese Dinge vermögen oftmals ihren Zweck nicht zu erfüllen, weil sie um den 
Preis, zu dem sie ausgeboten werden, nicht solid hergestellt werden können. 
In gewissen Fällen würde ein nur um weniges höherer Preis eine unverhältniß- 
mäßig bessere Qualität der betreffenden Gegenstände, also eine bedeutende Ver 
mehrung ihrer Brauchbarkeit ermöglichen. Oftmals sind solch minderwerthige 
Tinge sogar gesundheitsschädlich und ist ihre Billigkeit theuer erkauft, indem
	        
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