Object: 10 Jahre Wiederaufbau

Aktiva: 
Millionen Schilling 
Saldo aus dem Fremdenverkehr . . . . . 200 
Einnahmen aus dem Transithandel . . . . 150 
Transitfrachten (einschließlich Schiffahrt) . . . 80 
Zunahme der Auslandsverschuldung . „2. 100 
Summe 620 
Den Bemerkungen zu Post 2, c der Zusammen- 
stellung ist zu entnehmen, daß wir die durchschnitt- 
liche Zunahme der langfristigen Verschuldung an das 
Ausland pro Jahr mit etwa 190 Millionen Schilling 
ıngenommen haben. Die Zunahme der kurzfristigen 
Verschuldung fanden wir durch das parallele An- 
wachsen der Auslandsguthaben der Österreichischen 
Nationalbank annähernd ausgeglichen. Die Gesamt- 
zunahme der langfristigen Verschuldung in der ganzen 
Beobachtungsperiode beträgt rund 0970 Millionen 
Schilling, während die Handelsbilanzpassiva der 
gleichen Zeitperiode zusammen 5750 Millionen Schil- 
ing betragen. Die Saldierung der Handelsbilanz- 
Dassiva erfolgte also — und das verdient besonders 
ıervorgehoben zu werden — nur zu einem geringen 
Feil durch Verschuldung unserer Wirtschaft an das 
Ausland. Beachten wir weiter, daß der Entwicklungs- 
zang unserer Volkswirtschaft seit dem Tiefpunkt der 
Depression (Oktober 1026) im allgemeinen befrie- 
digend ist, die Produktionsmittel größtenteils er- 
halten geblieben sind, die wichtigeren Industrien 
gegenwärtig einen guten Beschäftigungsgrad aufweisen 
und in der letzten Zeit auch die Kapitalsbildung 
im Inland erfreuliche Fortschritte zeigt, so finden wir 
uns auch zur Annahme berechtigt, daß die herein- 
Senommenen Kredite überwiegend produktiv, also 
Wirtschaftlich richtig verwendet worden sind, obwohl 
äe zum größten Teil von der „öffentlichen Hand” 
aufgenommen wurden — was im allgemeinen die 
Gefahr unproduktiver Verschuldung erhöht. 
Für die Ausgleichung des oben noch verbliebenen 
Saldos (rund 540 Millionen Schilling). können nur 
n Betracht kommen: 
1. Weitere, durch unsere Untersuchung nicht er- 
laßte Leistungen an das Ausland, Erträgnisse von 
Kapitalsanlagen im Ausland, richtiger: der Über- 
Schuß an Erträgnissen, den diese Anlagen gegenüber 
den Kapitalsanlagen des Auslandes in Österreich ab- 
werfen, auch Einkünfte aus im Ausland betriebenen 
Unternehmungen, aus im Ausland gelegenem Grund- 
Desitz und Zuflüsse aus anderen nicht kontrollier- 
baren Titeln. . 
2. Sogenannte „Kapitalsaufzehrung”. Für die Zah- 
lungsbilanz kommen hier nur Kapitalsabstoßungen 
an das Ausland oder Verluste (Insolvenzen) in Frage, 
die oder soweit sie zu Lasten des Auslandes gingen. 
Die sogenannte „Kapitalsaufzehrung” hatte wohl 
n den Jahren 1023 bis 1925 eine gewisse Bedeutung. 
J)agegen kann bei dem heute gegebenen Zustand unserer 
Nirtschaft von einer nennenswerten Kapitalsabstoßung 
ın das Ausland oder einer „Überfremdung” wohl nicht 
nehr die Rede sein. Hieraus ergäbe sich, daß der oben 
‚ezifferte Restsaldo überwiegend durch Zuflüsse der un- 
er IL bezeichneten Art ausgeglichen sein muß. Für die 
lichtigkeit dieser Annahme spricht die Tatsache, daß 
Nien entgegen den seinerzeit oft gehörten Befürch- 
ungen keineswegs eine „tote Stadt” geworden ist, 
ondern seine Funktion als Finanz- und : Kultur- 
'‚entrum und seine wirtschaftliche Verflechtung mit 
tem Neuausland in einem leider nicht kontrollierbaren 
imfang, sicher aber zu einem erheblichen Teil zu 
rhalten gewußt hat. 
Der nicht näher aufgeklärte Restsaldo ist für eine 
Sammel”- oder „Korrekturpost” freilich sehr hoch, 
;o hoch, daß immerhin bezweifelt werden könnte, 
»b er durch die unter I. angeführten Zuschüsse tat- 
‚ächlich erschöpft werden kann. Es ist daher gar 
ıicht verwunderlich, wenn immer wieder Zweifel an 
ler Richtigkeit der Außenhandelsstatistik, d. h. 
ler von ihr ausgewiesenen Handelsbilanzpassiva laut 
‚erden. Der Überschuß unserer Kapitalsanlagen im 
usland über jene des Auslandes in Österreich 
lürfte kaum die Hälfte dieses Saldos ausmachen, da 
ıuch die Veranlagungen des Auslandes in Österreich 
ne sehr ansehnliche Höhe erreichen sollen. Der 
‚erbleibende Rest ist nicht näher aufklärbar. 
Bei Würdigung dieses Ergebnisses darf nicht üher- 
sehen werden, daß zahlungsbilanzstatistische Unter- 
uchungen eine Artnachträglicher buchmäßiger Kontrolle 
ler Außenbeziehungen einer Volkswirtschaft darstellen. 
Jber die tatsächliche Verfassung dieser Wirtschaft und 
hren Entwicklungsgang geben aber die wirtschafts- 
:tatistischen Daten, die nunmehr auch in Österreich 
n wachsender Anzahl zur Verfügung stehen, einen 
ınmittelbareren und vollkommeneren Aufschluß, voll- 
<ommener deshalb, weil die wirtschaftsstatistischen 
Zahlen möglichst alle wirtschaftlichen Erscheinungen 
zu erfassen suchen, während in der Zahlungsbilanz 
lie „Innenbilanz” der Wirtschaft außer: Betracht 
ıleibt. Geben nun die wirtschaftsstatistischen Zahlen 
der das Bild, das wir uns auf Grund derselben 
iber den Zustand unserer Wirtschaft und ihre Ent- 
wicklungsaussichten machen können, keinen Anlaß 
zu einer Beunruhigung, so kann es selbstverständlich 
uch kein Moment der Beunruhigung bilden, wenn 
sin Versuch, die wirtschaftlichen Außenbeziehungen 
anserer Volkswirtschaft wertmäßig zu zergliedern 
— infolge der Unzulänglichkeit des zur Verfügung 
stehenden Firmittlungsapparates — nicht restlos gelingt. 
HE
	        
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