Weitere Entwicklung des Intellektualismus. 83
wird; und indem er so die Induktion einer nirgends ab—
geschlossenen Erfahrung entreißen und einer absoluten zuführen
zu können glaubte, sah er in ihr die Verkündigerin nicht bloß
begrenzter empirischer, sondern absoluter uud notwendiger
Wahrheiten und erhoffte von ihrer energischen Anwendung
den vollständigen Abschluß und die unverbrüchliche Sicherheit
des Wissens.
Es sind Erwartungen einer merkwürdig positiv gewandten
Phantasie, die wo möglich keinerlei Deduktion bestehen lassen
wollte; es ist der übertriebene Optimismus einer ersten syste—
matischen Einsicht in den spezifischen Charakter des modernen
Denkens. Bacon hat mit seiner Lehre lange Zeit hindurch
Bewunderung gefunden; auf die Entwicklung der praktischen
Induktion in den einzelnen Wissenschaften gewirkt hat er wenig
oder gar nicht.
Aber auf Bacon folgte Hobbes (1588—1679). Hobbes,
von Descartes angeregt!, zeigte in seinen in den vierziger und
fünfziger Jahren des 17. Jahrhunderts veröffentlichten Schriften,
daß ein vollendeter Beweis niemals bloß induktiven Charakters
sein könne, daß sich mit ihm vielmehr deduktive Elemente ver—
einigen müßten: erst so sei den Beweismomenten der Charakter
des Allgemeinen und Notwendigen gesichert. Die Deduktion
aber hielt er für vollendet, wenn es gelänge, die Wirkungen,
die uns die Erfahrung der Induktion zeigt, auf ihre Ursachen
so weit zurückzuführen, daß die Einsicht in den kausalen Zu—
sammenhang des natürlichen Geschehens vollkommen hergestellt sei.
Auf diesem Wege kam Hobbes zum Begriffe der Kausalität als
eines für die Deduktion entscheidenden Momentes.
Sag nun aber die Kausalität in den Dingen selbst? War
sie ein objektives Moment, das die Verbindung der Erscheinungen
durch Ursache und Wirkung herbeiführte? Oder war sie nicht
dielmehr nur eine subjektive Art unseres Denkens? Hobbes
begriff, daß solche Fragen eine Untersuchung über die Art not—
wendig machten, wie wir zum Denken und vor dem Denken
Vgl. dazu Bd. VI, S. 190 ff.