Full text : Die Textilindustrie sämtlicher Staaten

Produktion.

585

Florettspinnereien 1 ).  Die  größten  Fabriken  sind  die  Kanegafuchi-  und  Fujispinnerei
  mit  ungefähr  30  000  Spindeln.  Die  als  Rohstoff  gebrauchte  Abfallseide
hat  einen  ungefähren  Wert  von  10,5  Mill.  Mark,  das  Fabrikat  von  16,8  Mill.  Mark.
Die  Produktion  dürfte  in  den  nächsten  Jahren  eine  Vergrößerung  erfahren,  da
die  bestehenden  Fabriken  ihre  Betriebe  zu  verdoppeln  gedenken.  Diese  Seidengarne ­
  werden  jetzt  hauptsächlich  nach  Indien  exportiert,  wo  sie  europäischen
Fabrikaten  bedeutende  Konkurrenz  machen.
Seidenweberei.  Die  Produktion  während  des  Jahres  19H  betrug  3  000  000  Stück
im  Werte  von  88,2  Mill.  Mark.  Die  Anzahl  der  Webstühle  beträgt  11  229  mechanische ­
  und  30783  Handwebstühle,  woraus  schon  ersichtlich  ist,  daß  diesem
Industriezweige  zum  größten  Teil  Hausarbeiter  obliegen.
Baumwollweberei.  Zum  Unterschiede  von  der  Seidenweberei  wird  die  Baumwollweberei ­
  lediglich  in  großen,  ganz  modern  eingerichteten  Fabriken  betrieben.
Die  Erzeugung  von  T-Cloth,  Flanellen,  Schirtings  und  Sheetings  beträgt  jährlich
ungefähr  157,5  Mill.  Mark,  wovon  ungefähr  42,0  Mill.  Mark  nach  China,  Korea
und  den  Südseeinseln  exportiert  werden.  Die  hergestellten  Gewebe  sind  grob
und  lassen,  was  Qualität  und  Haltbarkeit  anbelangt,  viel  zu  wünschen  übrig.
In  feinen  Geweben  ist  Japan  noch  vollkommen  vom  Auslande  abhängig.
Wollwarenfabriken.  Die  bedeutendste  Fabrik  ist  die  Senjufabrik,  die  bereits
seit  einer  Reihe  von  Jahren  unter  direkter  Aufsicht  des  Kriegsministeriums  steht
und  sämtliche  Lieferungen  für  das  Heer  und  die  Marine  besorgt.  An  sonstigen
Tuchen  werden  nur  noch  Flanelle  und  Decken  erzeugt,  doch  genügt  die  Produktion ­
  nicht,  um  den  ganzen  Konsum  des  Landes  zu  decken.  Dieser  Zweig
der  japanischen  Industrie  liegt  noch  ziemlich  im  argen.  Die  Gründe  sind,  wie
bei  besseren  baumwollenen  Geweben,  Mangel  an  genügender  Nachfrage.  Der
Staat  mit  seinem  Heer  von  Beamten  und  Soldaten  ist  der  Abnehmer  für  einfache, ­
  ungemusterte,  dickere  Tuche,  die  er  größtenteils  in  seinen  eigenen  Fabriken
herstellt.  Bessere  gemusterte  Stoffe  werden  vom  Publikum  noch  nicht  so  viel
verlangt,  daß  es  sich  lohnte,  zahlreiche  verschiedene  Dessins  herzustellen.  Hinzu
treten  noch  die  Kinderkrankheiten  der  jungen  Industrie,  die  technische  Fabrikationsschwierigkeit ­
  und  Mangel  an  seßhaften  Arbeitern.  So  wird  die  Einfuhr
trotz  der  Zölle  und  der  heimischen  Fabrikation  noch  ein  ergiebiges  Feld  bleiben,
worauf  auch  die  jährlich  noch  wachsenden  Einfuhrziffern  schließen  lassen.
Wollmusselinefabriken.  Diese  Industrie  hat  seinerzeit  einen  großen  Aufschwung
genommen  und  versorgt  jetzt  selbst  den  ganzen  einheimischen  Bedarf.  Die
geringen  Einfuhren  dürften  nach  Erhöhung  des  Zollsatzes  ganz  verschwinden.
Die  Ausfuhr,  die  sich  größtenteils  auf  ungebleichte  Ware  erstreckt,  ist  noch  ziemlich ­
  gering.  Die  Fortschritte,  die  die  Industrie  in  neuerer  Zeit  gemacht  hat,
waren  schneller  als  die  Aufnahmefähigkeit  des  Marktes.  Die  Produktion  des
l )  Nach  Mitteilungen  aus  Krefeld  bemühen  sich  die  Florettspinnereien  Japans  in  letzter
Zeit  (1916)  sehr,  die  Schappegarne  auch  nach  Europa  und  Amerika  zu  liefern.  Die  Garne  sollen
aber  nicht  so  gut  sein  wie  die  Erzeugnisse  der  Baseler  und  Lyoner  Florettspinnereien.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.