Inlandsrohstoffe. Produktion.
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Im allgemeinen hat sich die Qualität der Kantoner Seide in den letzten
zehn Jahren nicht verschlechtert, sondern eher etwas gehoben; die Aufmachung
ist jedenfalls geschickter als früher. Auf dem AVeltmarkte aber haben die
Kantoner Seiden unter dem japanischen Wettbewerb stark gelitten. Während
in Japan die Eier und der Schmetterling durch einen sachverständigen Regierungs
beamten mikroskopisch untersucht werden, bevor sie zur Zucht verwendet werden
dürfen, betreibt der chinesische Züchter sein Handwerk nach althergebrachter,
aber ganz unwissenschaftlicher Art. Angesichts der zunehmenden Erzeugung
der japanischen Spinnereien droht der Kantoner Seidenzucht ernstliche Gefahr,
wenn es nicht gelingt, die Zucht und die Spinnmethoden unter Staats- oder
Gildenaufsicht zu verbessern. Bisher ist nichts nach dieser Richtung geschehen
und der Kantoner Spinner zeigt keine Neigung, sich auf Änderungen einzulassen,
solange er sein Erzeugnis schlank absetzen kann. Und dieser Absatz hat bisher
nicht fühlbar gelitten, weil Kantoner Seiden eine hervorragende Weichheit
besitzen und deshalb in der Weberei besser als andere Seiden zum Füllen als Tram
geeignet sind. Nur die wilden nordchinesischen und indischen Seiden kommen
den Kantoner Seiden in dieser Beziehung gleich. Da diese Erzeugnisse aber sehr
unrein sind, zahlen die Fabrikanten lieber höhere Preise für Kantoner Seiden.
Jute. Das in China angebaute Land wird auf 200000 Morgen geschätzt,
die etwa 500 000 bis 600 000 Ballen Jute, der Ballen zu l8l,2 kg, ergeben. Der
größte Teil der Jute wird im Inlande verarbeitet, doch beginnt sich auch bereits
die Ausfuhr zu entwickeln. So stieg die Juteausfuhr Tientsins von 1716 t im
Jahre 1912 auf 3953 t im Jahre 1913.
Ramie. Die Pflanze wird überall in China südlich des Hoanghostromes
gewonnen. Fast die Hälfte der gewonnenen Faser wird ausgeführt, der größte
Teil nach Japan; die andere Hälfte wird in China zu „graß cloth“ verarbeitet.
Produktion der Textilindustrie Chinas.
Baumwollindustrie. Die Baumwoll- und Seidenindustrie sind in China sehr
stark entwickelt. Beide sind früher reine Hausindustrien gewesen. Besonders das
Spinnen und Weben der Baumwolle, die im Inlande gewonnen wird, ist seit hun
derten von Jahren allgemein verbreitet und man findet heute noch Gegenden, in
welchen die ganze Bevölkerung das Spinnen und Weben der Gewebe besorgt.
In ebenso einfacher Weise wird das Färben ebenfalls als Hausindustrie vor
genommen. In den meisten Fällen wird das Gewebe von Handwebern in Stücken
von einigen Yards geliefert, die dann im Kessel blau oder vereinzelt in anderen
Farben gefärbt werden. Nach dem Färben wird das Gewebe an der Luft getrocknet
und dann zum Schluß mittels einer steinernen Vorrichtung gemangelt.
Neuerungen der Baumwollindustrie waren in den letzten Jahren die Ein
führung der japanischen Baumwollwebstühle, die die chinesischen Webstühle,
ersetzten, und die Errichtung der größeren Baumwollspinnereien und Webereien
im Süden von China.