Inon Verlag und Cjpebltlon:
Carl Divrmick.
rrlln S.. Lulseouser 11
September 1899.
Erichemi monatlid) einmal. j|
DrrlS bei Stnzeltuimmer 10 VI. !j 1 SastttfslPlf
'flbonntmnii fflt das Ouartol 25 Pj. ;| * 8 ^
Euer Wunsch ifl erfüll«, oor Euch lieg,
..Die Fackel".
d:« Zeitung für dir A^kaebemeten und llmeiörückien
aus dem Lande, für den Landarbeiter. de» Kleinbauer,
den Handwerker, die erioerbSlhöiig, Bevölkerung
«>chi ohn« Lpler haben Eure ArbeilSbrüder m der
Tlodl di« Zeiniug geschaiie». Sn Euch ist c« jefjl, b>eiclb«
zu erhallen »nd zu einem ivilkiamen Ikoinoiinillel
gegen da« Unrecht „i jeder Form und kür d>« B'-reiung
der arbritSihätigen Bevölkerung auszubauen
„Tis Fackel" a»,rd Euch jeder Zeit «>o kreuer
freund und Beraiher fem. Eie wird Euch all« Monate
--iNinal Aufklärung über da» bringen, wa« der Stadt
nsrgehl Ihr werter in den Bcrichlen au» dem ReichSiog
eriahren. ob die iozialdeinokralischen Abgeordneten
>Lr die Interessen der Arbeiter kämpfen, de» Herren
6 rundlich die Sahrhe» lagen, gegen Verlchlechlerung
e» besiehenden Zusla>,de« und für Beleingung der
elenden Lage der Waste Land und Siad, «inlrelen
Auch iveebel Ihr au« den Berichten «riehen, ob daö
Dirken t<r konlervalivei, und anderen Abgeordneten
arbeilerficundlich >l«. ob dies» für nach größere Entrechtung
und Verelendung de« Volk« einireren. ob sie da«
Zniereste eine« kleinen Häusle.n« Wohlhabender oder
da« Interesse der «esammihei, wahrnehmen lieber olle
bedeutende,, Borkommniste >m polistichen Leben wird
-Di» Factcl" belehrende Arukel bringen Hauptsächlich
aber wird >°i« berrchien über Euer Elend, über Sure Aach,
über di« unwürdig, Behandlung, d>e Euch oll von
Srovgrundbeslgern und anderen Soo»al>Ilen zu Tljeil
wirb, über b,e naurigen wohi,ung«verl>älrniste au> dem
Land« und >n der Siadi, über d" tibermäßigr Au«,
deulung der Ahr ausgelegt seid Unbarmherzig und
eülkstchiulo« wollen wir diejenigen, die ihre Arbeiter
ichlechi behandeln, ihnen den bedungene» Lohn »ich,
rrchlig auSjable» oder sonst ihren oerNaglichen Verostichlungen
hch en,ziehen. ,n der „Fackel" an de»
»langer der ösfenisichen Mr»nurg stellen und >o dazu
d'iiragen. Euer Loo» errräglichee zu machen.
K'ch' >nn keoiich und iklarlch. w>e konleroanv»
Blauer tl Ihun. um Euch »r Unerfahren hei, zu
erliolrrn. werden wie die CoalleN der ..Fackel"
lullen, sondern in Eure und Eure« LeidenSgenosien
naurigen wirlhlchaslsichen Lag« und in die wirchschasi.
liche lkage der Wohlhabenden und Mächtigen, in Unter,
brücknng und Uedcrniulh will „Tic Dackel" hinein,
leuchten und Such Mittet und Wege weilen, wie Ahr
Eure Loge bester» körn»
Eicher wird „Die 3arfel" durch unerichrockeile« Ein.
irrt«» für die Geologie» und Gedrückte», die linnen und
Ausgebeutete», de» Zorn -nancher reicher Herren auf sich
lade» Da« muh Euch aber gerade ein Ansporn lein.
ständiger Leier und Abonnent der „Fackel" zu
werde" und bei Euren ArbeilSbrübern aus dem Lande
und »> der Iiadt neu« Aboiinenlen für „Die Fackel"
Ta „Tie Fackel" nur 1V Pfennige für einen
Monat und nur 25 Piennige für ein Vierteljahr
koste«, ( o ist Jeder von IZucki ln der Lage, iie ,u
?Ib«r nicht nur Leser. ,»chi nur Abonini». >ondern
auch Mitarbeiter brr „ftactft“ sollt und müht
.ihr werden. Alle bi» Leiden, die Ihr zu eevulden habt,
die Ungerechtigketteii und Draiigsalirungen. di» Euch zu
werden, theilt der „%actet'° vertrauensvoll
bf« W oh r h »i t gemäh mit In den Spalten
unserer „Fackel" werde,, Eure Klagen ein tausendfache«
Echo linde», da« gellend >nah»e»d in den Lbren Eurer
Ctidlet wicdcrhallen soll.
Drum auf, Ihr ArbellSIeuie >n Stad, und Land,
werdel für Euer Blatt und aboiiiun alle Man» für
Mann „Die Fackel". <£« mir d.c trägen Malle» Eurer
ArbeitSdiüder au« dem Schlaf zu rütteln. Eure berech-Iiglcn
Forderungen nach Verbesterung Eurer elenden
Lage den Befistende» eindrzickSvoller als bisher zuru.
rufen. Mit der Fackel der Waheheir, mü dem «lärm
Sich« der Aufklärung, „ul dem zündenden Funke» ber
Agitation wollen wir hineinlenchte» in die Hohlen, wo
di« lluwissenheti und da« Elend, und rn d„ Paläste,
in denen Uebermmh Protzemhum und Eigennützigkeit
Hausen-Loht
Such durch Sur» Arbeitgeber, durch Den»,
barmen. Pfarrer ober sonst wen nick« einschüchtern.
C u»« jeden Fall oerjuchier VeeinNustuiig an Haltet
: Blot« allen Verfolgungen zu», Trost hoch RnkUo«
känrpsl den Kamps mit, oamrr Ihr und Eure Kmder als
freie, gleichberechtigt« Menschen einer glücklicheren Zukunsl
enigegengehen.
Was iDoOni wir?
Aus. Alle, die Ihr dchhstlig vom frühen Morgen
dl« ln die Ipktze Nach« hinein Euch plag«, ohne soviel
»h erringen. ba& Ihr und Eure Familien Euren b«.
scheidenkn Wunsch ersülleu könn«: theilzunehmen an den
Errungenschasien der Kultur. Die lürperltchrn und
geistigen Fähigkeiten zur Blüthe und Emsaltuna zu
bringen, ist Menschenrecht. Wie komm« t«. daß dir» Rech,
»Ol Taufenden und Abertausenden vorenthalten wird?
Wie ist ci möglich, bat» Ziel zu erreichen dost jeder
ein menschenwürdiges Dasein führe? Wa« ist ew
menschenwürdige« Dasein? Ein Doleln wie es dem
Sland der Kullur eulsprichr: Theilnahme Aller an den
Errungenschasien der Rullur. Nolv schmiedn zusammen.
Ihr alle, di« in ber Sladl oder aus dem Lande, ln der
Werkstatt oder aus dem ncker. in dre Grube oder in
der Fabrik, zu Wasser oder zu Load« mühselig da« zum
Lebensunterhalt Nothwendigst» erardeilcn müht — Ihr
könnt ein, Besserung Eurer Lage derbeisühren. wenn
nicht dieselben Entbehrungen unter denen Ihr leide«,
da« Erbe Eure, Kinder sein soll. Im Jnleresse Eurer
selbst, im Jiikereste Eurer Familie, ün Jnterrssr Eurer
Kinder müssen alle Erwerbölhällgen <n dem friedlichen,
aber «nerglschen und rastlosen Kamps zur Erringung
besserer Lebensbedingungei, zusammenhalken.
Hab« Ihr und Eure Kinder »ich, ein Recht aus
»in menschenwürdige« Dasein? Aus. znm Kamps gegen
die Umerdrückang Eurer Rechte gegen di, Urbennach«
bei Kapitals, gegen den Hochmuth des Unternehmer,
ihum«. gegen die Fortdauer der bestehenden Verhällniffe.
gegen^ di« Ungerechligkeil ber bestehenden Berhüliniss,
das ist der Mahnruf, der immer lauker und krälttger in
alle» Ländern an olle Arbeiter ergeht, die Ardeiler
kämmest. Wenig vermag der Einzelne. Alles ein
planvolles, rostlo!»« Znsamm,» Hollen allrr
Nolerdrückirn
Die Fahne in diesem Kamps hoch zn hasten gegen
die Ungerechtigkeit in jeder Form zu lämpsen and die
Fahre zur Erringung eine« mrujchenwürdtgen Daseins
voranzukrogen. ist unser Beilreben Nicht den Einzelnen
wachen wir veramworllich für die Zustünde Die Ge*
iellschoitSordmiug leibst hüng« ab von der Produlllontweis»,
hüngl ad von den geschichtllch gewordene» Zustünden
Aber sie ist nicht ewig, kan» nicht ewig so sein
wie sie Ifl; e« ändert und wechselt alle« Beschleunigung de»
Wechsels planvolle Herbeiführung eine« anderen Gesell.
IchasiSzuslande« ist möglich. Wir lagen nicht Utopien,
uiirrjüllbore» Träume:, nach Wir streben an. wa«
aothwkiidlg ist. danit. All» rin menichenwürdlge«
Leben haben. DaS ist nothwendig und möglich
Wir streben an. wa« geschichtllch naturnothwend.g
ist. W!> streben an bi« Heebeisührung eine,
GelellfchasiSordtiung in der man nicht ihr. um
nur zu arbeiten, sondern arbeitet um zu ,H,n
»Wer nicht arbeiten will lall auch nicht esse».' logt
die Bibel.
Blickt um Euch! Millionen fleihtget braver
Mrnichen irifien bei kargem Lohn kümmerlich ihr Doset»
und einige Zehnianiende aibeirrn nicht oder minder
schwer wir ,enr - st, werden aber von Tag zu lag
Wie komm« da«?
Jen« befinden fick >m Besih von 'Vorrechten sie
sind im Besitz der Ärbeiiswerkzenge. der Fodriken. der
Bergwerke, des Großgrundbesitze«, kurz aller Produlrion«-mittel.
ohnr deren Besitz Güier nicht erieugi werden
können. Wa« nützt dem Fleißlgslen die Lust und Fähig,
keil zu arbeiten, wenn er ArbeUsmiiiel nicht vefitzt?
Kann er dann je ein Freier werden? Frei ist er nach
dem Gesetz, aber auch tret von ollen Miiirlg. sein«
ArbeiiSkros: zu verwerthen, ohne fit an andere zu verdingen.
Verdingen muh heute die übtegrotz« Anzahl Menschen
an die Wenigen, die wohlhckdrnd sind, ihre Arbeilsirast.
um ihr Leben fristen zu köiuirn und durch ihre Arbeit
den Reichthum der Wenigen noch zu vermehren Vermehre»
den Reichlhum derer die ohne dl, körperliche
und geistig» Arbeil der Arbeiter nicht der geistigen und
sonstige» Genüsse ihellhoslig werden könnien. di, sie sey«
baden und die die große Meng» entbehrt.
Aus der Ardetr AUei beruht bl« t)enilge
Kultur — sollen dl, Errungenschaften dee Kullur nicht
Allen zu theil werden? Soll es ewig so bleiben, daß
da darb!, wer arbeitet, daß Bildung und grillige Erhebung
der großen Meng- voreiitholicu bleibt? Nein
und abermals netnI ES ist »ich« nothwendig und tt
bars nickst fein, wenn nicht de» Mensche» Natur zu der
de» Tiere« herabsiuken soll
Aber wie erreichen, wa» wir erstreben? Wl, soll
t! ander« werden? Sann es anders werden? oder sind
wir verdamm! wenig Herren zu haben und ein Heer von
Sklaven ewig zu bleiben?
Ausklüruiig über seine wahren Jnieressen thu, den
Unleidrücklen. die den weitaus größten Theil der Landbevölkerung
bilden, in erster Reibe noth. Noch stehen
gar viele abseits von dem großen Komps«, der da« Ende
dieses JvhrhunderlS durchzillerl und mit dem Siege der
Arbeit im lommenden Jahrhundert abschliekeu wird
Der Arbeit! Wer ist denn ArbeUtr? Jed-r
der geistig odt: körperlich zum Nutzen der Allgimeiuhett
Arbeit schasst. Der flrbeiier' aus dem Land«, -der kleine
Bauer, der Lehrer, der Beamte, der Fobrilarberier. der
Schisser, der Handwerker, der Händler: sie oll« verrichten
Arbeit im Interesse der Gesammthest. Arbeit für
die menschliche Gesellschosi. Arbeit, durch welche die
Zwecke der menschlichen Gesellschast gefördert werde».
Ob hlnieto» Pslug unier btennender Sonne de,
Arbeitet fich abrackert oder aber ob geistige
Arbeit oetrich,»« wird, ändtti oa dem Begriss
der Arbeit des ?Irbelier» nichts
Aufklärung' Ist die arbeitende Brvblkerung eist
aufgeklärt, ist stt zur Erkenntniß ihrer Lage und der
Wahrheit erst gelangt, io wird sie auch die Macht zu
erringen verstehen, ihre berechligre Forderung zur Ersüllung
zu bringen, ein menschenwürdiges Dasein für
Alle lluserr Gegner die Gegner der Arbeit, die Gegner
der Kultur, di« Gegner der Gerrchilzleit vrrsuchen dir-Bevölkerung.
Iiiöde! andere aus dem Lande, gleich urimündigen
Kinder» übe, dir wlchrigsten Fragen und Borkommniste
künstlich in Unkeaotniß zu erhallen, ihr Lügen
und Verleumdungen auszullschen und die unerschrockene
Stimme ber Wahrheit und de« Recht« zu ersticken.
Doch vergeblich I Do« Volk Hai ein Recht, die Wachen
zu hören, die Wahrheil lennen zu lernen.' Eö
dürstet nach Wahrheit, noch jenem unveZälschren Wissen,
ohn» welch»« lein Sieg Machthaber versolgteo UNS
>2 Jahr» lang wurde dl« Auebrettiing unserer Lehrer,
in Deutschland aus Grund LeS Sozialisten-GesetzeS durch
Gewaltmlitel zu hindern versucht. Tausend« wurden
aus ihrer Heimo'.h uuSgewieseu. in Kesänanisse gebracht,
drangsaliert mit allen Mitteln, welch» jene« Gesetz an
die Hand gab Durch hügcngrstndel. durch dezahlle
Schulte, durch Spttzrl suchte man Berboechen denen an.
zubichle» die nie etwa« andere« gethan, a!« für ihre
Ueberzeugung einzutreten sucht, man zu Gewaltthätigkeiten
ouijureizeii. ivahrend.der Arbeiter lehr wohl weiß,
nicht Gewalt. Ausklärung Ist unser» Waise.
Aufgehetzt wurden durch d,e verlogen« Presse der Gegner
und durch ihönchl» Maoßnahmrn mancher Ordnungö-Helden
Viele der Unausgeklärren zu Gewallthütigkelle»
gegen d>» Arbeiter leidst. Aber weder der Knüttel noch
de, Büttel, weder Södel noch Flinle vermag eine wahr»
Idee zo tbeen All jenen Praktiken und Knifsen unserer
Gegner, ihren Brutaliiüle» ihrer Heuchelei, ihren Spitzeln,
ihrer Urderichwemmung de» Lande« mit Strömen voll
Lügen Verdrehung und Wiuddeurelei setzen wir d"
eine Waste entgegen da« Streben nach Wahrheit und
nach Verbreitung der Wahrheit in allen Schichten der
orbütent-m Bevölkerung
Siegen wird die Sozlaldemolrone weil auf ihre,
Seile die Wahrheit, die Gerechtigkeit, va« Interesse der
Allgemeinheit und der Kultur
Wie will fie Iht Ziel rtielchen?
Ruhig, planvoll untersucht sie die Ursachen de»
deuligen Elend«. Wie brr vernünftige Arzt „ach dm
Ursachen rin« Kranlyrit soruhi. so untersucht ft« bit
Gründe der elenden wirlhIchaslUchen Lage. Do zeigr
sich denn nichi'drr Einzelne von Euch, der rastlo« von
früh bis spät sich abrackerl. ist Schuld an seiner lraurigeo
Lage leine elende Lag» nl vielmehr die Folge von Zu>
iiändm die er nicht geschossen. Wenige Ausnahmen
ändern nicht« an der Regel.
Kann der Heine Monn basüi. daß er nicht !r>
reicher Wiege geboren, kann er dasür. daß er darben
muß und an den Errungenschosien der Kullur nicht vollm
The,! ha, kann rr dasür. daß ihm die Arbeilömirtel
nicht zu Gebote stehen, kann rr dasür. daß er sein«
Arbeilölra» gegen geringen Lohn verdingen muß. um fein-Leben
zu friste«?
Kann der Hondweike« dasür. daß die Mach,
de» Großlaplial« ihm da« Lebentlichl auSbläst?
Kann der Kleinbauer dafür, baßer trotz harter
Ärdeii Im Schweiße srineS Angesicht« nichts schafft, kann
er dafür, daß der Großgrundbesitzer dllliglr als er
produzlN. kann er dafür, daß der Großgrundbesitzer
sein grsährlichsler Stonfment. tonn et dafür. daß der
Großgrunddrsiyer die Arbeil-krast Anderer bi« zum letzten
Tlppelchen ausbeutet, gegen schlechten Lohn und noch
lchlechiere Behaadlung? Kann er dafür, daß die Hag-Maschine,
die Särmaschine. die Pslugmaschine dem Grotz--grunddesitzer
zu Gebote stehen?
Kann der kleine Mann. der Handwerker d«»
Bauer, ürr Arbeiter dasür. daß leine Erl»«»«-ruinict
wird?
Nein, in lausend Fällen nein)
Das Großlapiial. fei «4 in Fadrikm. sei »
Bergwerk, sei eS im Großgrundbesitz, lei cS ia Hypolheteu.
(et cS in Werlhpapieren. sei eS an der Dürst o^r w
sonst angelegt, hat in der heutigen G-IellschaslSordnunz
die Eigeuschost. daS kleine Kapital auszusangeu.
Wie die «offertropsm sich vereinigen zu Büchen
zu Flüsieo und Ströme-, und dem Meere dann »-fl«»
° stießen heute alle zu Silber und Gold um,«w«dew»
lieben: 23er da bat. dem >?>rd gerben. m W*
treffe» die Kleinen aus' der BolkSmund
Volt-mund hat Recht. Die Großen habe- tua S-««
67. Titelseite der ersten Nummer der „Fackel'