An die Wähler der dritten Abtheilung des
23. Rommunalwahlbezirks.
Arbeiter, Kleinbürger, Parteigenossen!
Am Mittwoch, den 6. WovemSer finden die ErgänzungSwahleg kur das Parlament der Gtadl Pettm.' für
die Stadtoerordnetenoersammlung, stall.
Das ungerechteste aller Wahlsysteme, daS PreiKlassenwahlsyssem, beiuirit es, daß 1460 Geldsäcke dasselbe
Recht und denselben Einfluß haben wie 300 000 ihrer ärmeren Mitbürger. Dieses schändliche Wahlsystem bedingt cs,
daß die städtische Verwaltung, ein Vorrecht der Reichen, zu deren Gunsten und in deren Interesse geleitet wird.
Brüderlich vereint ist da alles Reaktionäre. Kulturfeindliche, Ausbeuterische, alles. maS von der Unterdrückung
seiner Mitmenschen lebt. Als einziger Gegner tritt in den Kamps der
Sozialismus mit feinen Idealen
mlt der Aufhebung der Klassenherrschaft, mit dem gleichen Recht für Alle, für Alle dle gleiche EuNvickluugSmügtlchleit.
für alle das Recht an den Kulturgütern theilzuhaben. Voll und ganz aus dem Boden dieser Anschauung steht der
Kandidat unseres BeznkeS. der Genosse Emil Banner. Der Liberalismus hat feine Ideale längst vergessen!
Wie Junker,hum und Schlotbarone den Staat beherrschen und die Gesetzgebung zur Ausbeutung und Nieder-Haltung
der breiten Volksschichten benutzen, so herrscht der alt gewordene Liberalismus, jetzt baar oller Ideale, in den
Städten und benutzt seine llebcrmacht in den Stadtparlamentcn rücksichtslos zur Förderung der allercnghcrzigstcn Klassenintercssen.
Wo sst das gleiche Recht auf Bildung geblieben, dieser.Grundpfeiler aller wahren Kulturentwicklung eineß
Volkes? Wo ist daö gleiche Recht für alle Bürger eines Gemeinwesens, ihre Stimme znr Geltung zu bringen? Wo
ist das demokratische Bewußtsein des Liberalismus geblieben, des Liberalismus, der schweifwedelnd die Hand küßt,
die ihm eine Oh,-feige nach der andern versetzt, sodaß die „Berliner Selbstverwaltung" bereits ansängt zum Gespött
zu werden? Was ist bisher zum Schutz der arbeitenden Aevölkerung gegen Krankheit und ßleud geschehen,
was zur Erhöhung der Lebenshaltung der breiten Volksschichten? Als Gnade und Barmherzigkeit, als Wohlthat, für
die untcrthänigst gedankt werden iriuß, wird daö Wenige gewährt, was überhaupt geleistet wird, und deshalb wirb
auch ehr- nnd rechtlos, wen das Unglück trifft, städtische Wohlthaten annehmen zu müssen. WaS ist geschehen,
um die ungeheure Entwicklung deS Verkehrswesens, der BcleuchtnngS- und Kraftanlagen unserer Riesenstadt dem Interesse
der Allgemeinheit, dienstbar zu machen? Statt der Uebcrsührung in die Gemeindeverwaltung eine Ausbeutung
Aller zu Gunsten einiger Pnvilegirten, die-schamlos genug vielfach inmitten der Stadtoertretung selbst sitzen und
Millionenreichlhümer aufhäufen aus diesen der Allgemeinheit entzogenen Schätzen.
Deshalb handelt es sich bei dieser Wahl nicht blos um den Streit zweier Parteien, um einige Sitze im Stadtparlament.
sondern cs steht Weltanschauung gegen Weltanschauung.
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«st cs, der hier gekämpft wird wie überall, wo daS Proletariat in die Arena deS Wahlkampfes eintritt. Ob nach wie
vor der eine ein Knecht deS Anden, sein muß, ob ungestraft der Reiche den Armen soll schrankenlos weiter ausdeuten
dürfen, ob nach wie vor Millionen von Proletariern elend vor der Zeit zu Grunde gehen müssen, oder ob alle Bürger
eines Staates, eines Gemeinwesens gleichberechtigt, ob die Güter diesiw Erde Allen zugänglich sein sollen, die mit ihren
Geistes- oder Körperkräften dieselben schaffend mehren Helsen, darum handelt cS sich! DaS ist die Bedeutung dieser Wahl,
das die Bedeutung jeder Stimmabgabe für den sozialdemokratischen Kandidaten, ein feuriger Protest gegen das
namenlose Anrecht, geg«n das entsetzliche Kkend, welches die Klassenherrschaft seit Jahrtausende» üver die
Menschheit gekracht bat.
Deshalb ein Afui Jedem, der am Tage der Wahl feige zurücksteht, der nicht wagt in öffentlicher Stimmabgabe
und frei heraus seine Ueberzeugung zu bekennen. Nicht nur um ein Mandat handelt cS sich, sondern darum,
daß der proletarische Hedauke zum Siegj geführt wird, daß in offeriern Kainpse Jeder für seine Ueberzeugung mannhaft
eintritt und durch seine Stimmabgabe feierlich erklärt'
Als Proletarier habe ich Zeit meines Lebens darben und hungern müssen- als Proletarier bin ich ausgeschlossen
gewesen von allen Kulturgütern der Nation. Bildung. Lebensgenuß, Sicherheit de« Erwerbes, Schutz gegen Krankheit
nnd allzusrühen Tod, bisher ein Eigenthum der herrschenden Klassen, auch mir und meinen Kindern soll cS zu Theil
werden, im Kampfe für und mit meiner Klasse will ich es erringen. Diese eine Waffe de« Proletariats, die Solidarität
und die feste Bekundung, daß eS anders werden soll und nmß, sie, wird uns an> 6. November zuin Sieg führen.
Parum, auf zur Wahl Parteigenossen. Ahr Arbeiter, KleiuLürger. Alle, die Ihr darbt und entrechtet
seid! Tretet ein für den. der Eure Interessen mit aller Hingabe vertreten wird, für den Genossen
Emil Basner.
Das sozialdemokratische Maikomitee.
103. Sozialdemokratisches Flugblatt zur Wahl im 23. Kommunalwahlbezirk