Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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für  Berlin  erwählt  und  ihr  Mandat  von  Jahr  zu  Jahr  erneuert.  Im
Jahre  1900  schufen  sich  bei  Gelegenheit  des  Mainzer  Parteitags  auf
einer  von  20  Delegierten  besuchten  sozialdemokratischen  Frauenkonferenz
die  sozialdemokratischen  Frauen  Deutschlands  ein  Regulativ,  kraft  dessen
neben  den  örtlichen  Vertrauenspersonen  auch  eine  Zentral-Vertrauens-Person
  für  ganz  Deutschland  sowie  Kreis-Vertraucnspcrsonen  zu  ernennen
waren.  Das  Amt  der  Zentral-Vertrauensperson  ward  Ottilie  Baader
übertragen,  und  auch  ihr  Mandat  ist  in  den  späteren  Jahren  regelmäßig
erneuert  worden.  Mit  Bezug  auf  das  vom  Mainzer  Parteitag  beschlossene ­
  neue  Statut  der  sozialdemokratischen  Partei  Deutschlands  nahm
im  Jahre  1902  der  Münchener  Parteitag  eine  Resolution  an,  daß  dieses
Statut  das  Recht  der  sozialdemokratischen  Frauen  auf  eigene  Vertrauens-Personen
  nicht  berühre.  And  dabei  ist  es  den  Rest  unserer  Geschichtsperiode ­
  über  verblieben.
Die  Mainzer  sozialdemokratische  Frauenkonferenz  beschloß  ferner  die
Einführung  einer  aus  fünf  Genossinnen  bestehenden  Kommission  zur  verausgabe ­
  volkstümlich  gefaßter  Flugschriften  über  Fragen  von  besonderem
Interesse  für  Arbeiterinnen.  Die  Wahl  der  Kommission  ward  den  Berliner
Genossinnen  übertragen,  die  dem  Auftrag  auch  nachkamen.  Doch  löste  sich
die  gewählte  Kommission  nach  verhältnismäßig  kurzer  Zeit  wieder  auf,  da
sich  über  verschiedene  Punkte  Meinungsverschiedenheiten  einstellten.
Ein  anderer  Beschluß  der  Mainzer  Konferenz  betraf  die  Frage  der
Frauen-Bildungsvereine,  wie  solche  wieder  verschiedentlich  gegründet
worden  waren.  Entgegen  einer  Minderheit,  die  sich  diesen  Gründungen
skeptisch  gegenüberstellte,  sprach  die  Konferenz  sich  für  sie  aus,  vorausgesetzt, ­
  daß  die  nötigen  Kräfte  dafür  am  Orte  vorhanden  seien.
Zu  den  Ortschaften,  an  denen  solch  ein  Verein  geschaffen  worden  war,
gehörte  auch  Berlin.  Pier  hatte  in  den  Jahren  nach  der  Unterdrückung
des  Fraucn-Bildungsvereins  von  1892  das  Bedürfnis  nach  einer  festeren
Verbindung  der  sozialistischen  Frauen,  als  sie  das  System  der  Vertrauens-Personen
  ermöglichte,  sich  doch  tviedcr  eingestellt,  und  im  Winter  1898/99
schien  die  Zeit  gekommen,  es  von  neuem  mit  einer  entsprechenden  Schöpfung
zu  versuchen.  Es  waren  insbesondere  Frau  Or.  Marie  Lofmann  und
Emma  Ihrer,  die  sich  der  Sache  annahmen.  In  einer  großen  öffentlichen
Versammlung,  in  der  die  Genossin  Frau  Lily  Braun  einen  einleitenden
Vortrag  über:  „Die  Frau  des  19.  Jahrhunderts"  hielt,  ward  am
24.  Januar  1899  der  „Verein  für  Frauen  und  Mädchen  der
Arbeiterklasse"  ins  Leben  gerufen.  Nach  seinem  Statut  setzte  der
Verein  sich  den  Zweck,
„seine  Mitglieder  durch  Vorträge  in  alle  Gebiete  des  Wissens  einzuweihen ­
  und  ihr  Wissen  zu  bereichern,  ihnen  Gelegenheit  zu  geben,  sich
durch  Lektüre  fortzubilden  und  anregende  Geselligkeit  unter  sich  zu
Pflegen".
Dagegen  wurde,  wie  Emma  Ihrer  ausführte,  die  nach  Frau  Braun
das  Wort  nahm,  gemäß  der  noch  geltenden  Gesetzespraxis  jede  politische
Betätigung  für  außerhalb  der  Aufgaben  des  Vereins  erklärt.  Zutritt  zum
Verein  sollten  alle  über  16  Jahre  alten  weiblichen  Personen  haben,  der
Beitrag  20  Pf.  im  Monat  betragen.  In  den  ersten  Vorstand  wurden
Frau  Emmy  Stock  als  erste  und  Frau  Elise  Panzeram  als  zweite
            
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