Full text : Die Bewirtschaftung von Korn, Mehl und Brot im Deutschen Reiche, ihre Entstehung und ihre Grundzüge

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Müllerei  erforderten  Technik  zuerst  nannten,  haben  mit  Hilfe  der
Zollvergütung  in:  Veredelungsverkehr  eine  Mehlausfuhr  von  einer
Drittel-Million  Tonnen  aufgebaut.
Die  deutsche  Volkszunahme  verteilte  sich  nicht  gleichmäßig  über  das
Reichsgebiet,  sondern  häufte  sich  in  Großstädten  und  in  verstädterten
Jndustriebezirken,  die  sich  großenteils  unweit  der  Reichsgrenzen  bildeten. ­
  Hier  war  die  Bevölkerung  nicht  mehr  von  den  benachbarten
Landwirten  mit  Brotkorn  zu  versorgen,  sondern  mußte  mit  Hilfe
der  Eisenbahnen  und  Binnenwasserstraßen  teils  mit  ausländischem
Korn,  teils  mit  inländischein  aus  dem  Überschuß  der  dünner  bevölkerten ­
  landwirtschaftlichen  Gebiete  ernährt  werden.  Nach  diesen
Z  u  s  ch  u  ß  g  e  b  i  e  t  e  n  mußte,  der  geographischen  Lage  entsprechend,
deutsches  Brotkorn  zur  Hauptsache  von  Ost  nach  West  verfrachtet
werden,  was  die  deutschen  Eisenbahnverwaltungen  durch  besondere ­
  Ausnahmetarife,  wie  den  Ostbahntaris,  erleichterten.
In  entgegengesetzter  Richtung  von  West  nach  Ost  strömte  großenteils
der  eingeführte  Weizen  und  auch  Roggen  sowie  das  daraus  erniahlene
  Mehl.  Dabei  erleichterten  es  die  Einfuhrscheine,  den  bedürftigen ­
  Westen  mittels  des  ostdeutschen  Überschusses  zu  versorgen,
indem  teils  unmittelbar  vom  Osten  zu  Schiss  ausgeführter  Roggen  im
Westen  wieder  einging,  hauptsächlich  aber  mittelbar  statt  des.  über  die
östliche  Grenze  ausgeführten  deutschen  Kornes  fremdes  Brotkorn  in
den  Westen  eingebracht  wurde.
Die  Bewohner  dieser  Industriegebiete  hatten  sich  infolge  steigenden ­
  Wohlstandes  und  wegen  der  verringerten  körperlichen  Bewegung
im  Freien  immer  mehr  dem  leichter  verdaulichen  Weizenbrot  zugewendet. ­
  Für  den  großen,  gleichmäßigen  Mehlbcdarf  in  diesen  Bezirken ­
  eutwickeltcn  sich  daher  einzelne  Mühlen  zu  großen  Handelsmühlen, ­
  die  den  benötigten  Weizen,  später  auch  Roggen  an  sich
zogen,  ständig  große  Läger  in  Brotfrucht  und  Mehl,  wie  die
Mühlen  an  den  Einfuhrplätzen,  hielten,  das  Mehl  in  verschiedenen
Arten  herstellten  und  es  teils  unmittelbar  an  Bäcker  lieferten,  teils
durch  Mehl-Groß-  und  -Kleinhandel  oder  auch  Kleinmüller  vertrieben. ­
  Die  abfallende  Kleie  stießen  sie  meistens  in  benachbarte ­
  Bezirke  ab,  wo  sich,  wie  in  Westfalen,  Hannover,  der  Altmark
und  Schleswig-Holstein,  eine  starke  Schweinehaltung  entwickelte.  Beschränkten ­
  sich  die  Großmühlen  beim  Mehl  vertrieb  zunächst  auf
ihre  Umgebung,  so  gingen  sie  bald  darüber  hinaus  und  suchten
namentlich  mit  besonderen  Mehlarten  ihren  Absatz  über  das  ganze
Reich.  Durch  diese  bestimmten  Mehlmarken,  die  teilweise  auch  in  die
Zeichenrolle  eingetragen  waren,  sicherten  sie  ihrem  Abnehmer  die
gleiche  Mehlart  zu,  so  daß  er  weder  Ware  noch  Probe  zu
            
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