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mäßig gestiegenen Kornpreisen der deutschen Landwirtschaft gelungen,
dem im allgemeinen kargen deutschen Boden steigende Getreideernten
abzugewinnen. Die Getreide-Erzeugung blieb hinter dem Brotbedürfnis
der schnell wachsenden Volksmenge nicht zu stark zurück, ja drückte
den Einfuhrbedarf im letzten Jahrzehnt um ein Drittel herab. Für die
letzten Friedensjahre ist die deutsche B r o t f r u ch t e r n t e auf
dreizehn bis vierzehn oder nach Abzug des Saatgutes auf zwölf Millionen
Tonnen, und zwar rund neun Millionen Tonnen Roggen und
drei Millionen Tonnen Weizen anzusetzen. Außerdem benötigte die
deutsche Volkswirtschaft noch anderthalb Millionen Tonnen ausländischen
Brotkorns, so daß von neun Deutschen acht von heimischen und
einer von fremdländischem Korn lebten.
Auch beim Getreidebau ist die deutsche Landwirtschaft
nichts Einheitliches, Gleichmäßiges. Die Verschiedenartigkeit der
Böden, die im Deutschen Reiche größer ist als in anderen Ländern,
bedingt nicht nur verschieden große Erträge, sondern scheidet auch den
hauptsächlich Roggen bauenden Osten von den mittel- und süddeutschen
Weizengebieten. Die Witterungsunterschiede lassen den Getreidebau
in Küstennähe wie im Gebirge hinter der Viehhaltung zurücktreten
und fordern die Verwendung verschiedenartiger Getreidesorten. Die
Betriebsgröße bedingt weitere Unterschiede. Der Kleinbetrieb, der
meistens nur einen Nebenerwerb bildet, allein mit Familienkräften
arbeitet und viel Vieh hält, erzeugte nur oder nicht einmal den Brotbedarf
des eigenen Hauses. Bauern- und Gutswirtschaften gaben
Kornüberschüsse ab, besonders die Gutswirtschaften, weil sie verhältnismäßig
weniger Arbeitskräfte benötigten und bei dem Rückgänge
des Jnstwesens viel fremdländische Leute beschäftigten, die sie nur einen
Teil des Jahres ernähren. Der kleine Wirt verfütterte viel Brotfrucht,
Hiermit handelte er den ernährungsphysiologischen Berechnungen zum
Trotz wirtschaftlich richtig. Denn andernfalls mußte er seine wenigen
überschüssigen Zentner zur Kreisstadt fahren und von dort Futtermittel
zurückschaffen, wobei er der geringen Mengen halber für sein
Korn verhältnismäßig weniger erlöste, für die Futtermittel aber mehr
zahlte. Auch der mittlere und große Landwirtverfütterte nicht
nur das sonst nicht verwendbare Hinterkorn, sondern alles feucht eingebrachte
oder mangelhafte und daher nur mit empfindlichen Preisabschlägen
verkäufliche Getreide. Der so verfütterte minderwertige Ernteteil
wurde auf zwei Millionen Tonnen geschätzt, schwankte aber in den
einzelnen Jahren nach dem Ernteausfall und den Preisen für Korn
wie für Futtermittel. Obschon infolge dieser Auslese nur der gute Teil
der deutschen Ernte zur menschlichen Ernährung verwendet wurde,
waren wir in Roggen, den wir vorübergehend bereits in den 1850 er