Full text : Grundfragen der englischen Volkswirtschaft

Der  moderne  Imperialismus.

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ganzen  innerhalb  mäßiger  Grenzen  geblieben.  Absolutistische  Regierungen, ­
  die  völlig  rücksichtslos  vorgingen,  haben  gewiß  manches  erreicht. ­
  In  den  national  vielgestaltigsten  Gebieten  Europas  aber,  wie
z.  B.  in  Österreich-Ungarn,  ist  das  Ergebnis  recht  gering  gewesen.
Wo  man  auf  brutale  Durchführung  der  Entnationalisierung  unter
Anspannung  aller  Machtmittel  verzichtet  hat,  hat  selbst  ein  so  assimilationsfähiges ­
  Volk  wie  die  Franzosen  keine  wirklichen  Erfolge  aufzuweisen. ­
  Korsika  ist  z.  B.  heute  zwar  politisch  französisch,  es  ist
aber,  seinem  Wesen  nach,  mindestens  ebenso  korsisch,  wie  Irland
irisch  geblieben  ist.

IV.
In  Ländern,  wo  eine  farbige  Eingeborenenbevölkerung  europäischen ­
  Eroberern  gegenübersteht,  müssen  sich  natürlich  noch  viel
tiefergehende  Gegensätze  entwickeln.  Wohl  mag  es  auch  hier  dem
Eroberer  zur  Pflicht  gemacht  werden,  den  Eingeborenen  zu  heben
und  zu  erziehen;  er  wird  schon  durch  seine  eigenen  Interessen  bis
zu  einem  gewissen  Grade  in  diese  Richtung  gedrängt.  Er  braucht
dort  einen  Arbeiter,  der  höher  steht  und  intelligenter  ist,  als  der
sich  selbst  überlassene  Eingeborene  zu  sein  pflegt.  Er  bedarf  zur
persönlichen  Bequemlichkeit  eines  willigen  Dienstboten,  der  die
Elemente  der  Reinlichkeit  und  der  Ordnung  kennt  und  mit  seinem
Herrh  in  dessen  Sprache  zu  verkehren  vermag.  Daher  denn  überall,
wo  solche  Herßschaftsverhältnisse  entstehn,  eine  gewisse  Erziehung
der  Eingebortenen  nachweisbar  ist.  Die  spanischen  Konquistadoren
haben  die  spanische  Sprache  über  einen  halben  Weltteil  verbreitet.
Die  Buren  haben  den  Hottentotten  und  Kaffern  ihre  Mundart,  den
Taal,  gelehrt.  Sie  haben  sie,  soweit  ihre  Bedürfnisse  gingen,  zur
Arbeit  und  Sittsamkeit  erzogen.  So  bestimmt  z.  B.  ein  Gesetz  des
Oranje-Freistaates,  daß  kein  Eingeborener  ohne  anständige  Kleidung
auf  der  Straße  eines  Ortes  oder  in  der  Nachbarschaft  einer  von  einem
Weißen  bewohnten  Farm  betroffen  werden  dürfe;  darunter  versteht
der  Gesetzgeber  bei  Männern,  «zum  mindesten  mit  einem  Hemd  und
einer  Hose  angetan»,  bei  Frauen  «ein  Gewand,  das  den  ganzen  Körper
bedeckt».  Über  solche  Äußerlichkeiten  hinaus  hat  sich  der  Eroberer
selten  um  eine  Hebung  der  Eingeborenen  bemüht.  Er  hat  sie,  selbst
wenn  er  persönlich  von  tiefer  Religiosität  erfüllt  war,  häufig  nicht
            
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