thumbs : Official handbook of the Ceylon Court

454  Vierter  Teil.  Weltwirtschaft  und  Handelspolitik.  1.  Weltwirtschaft.

Rotterdams,  noch  die  vansko  Petroleum  Aktieselskab  Kopenhagens,  noch  endlich
die  Looietä  Italo-Americana  del  Petrolio  Venedigs  können  sich  an  Weite  des
zugewiesenen  Geschäftsbereichs  oder  an  Höhe  des  Umsatzes  mit  ihr  messen.  Dabei  ist
die  Lage  des  Weserhafens  für  die  Versorgung  seines  Konsumgebiets  nichts  weniger
als  günstig,  und  tatsächlich  wird  auch  fast  der  ganze  Verkehr  der  D.-A.  P.-A.-G.  über
Hamburg  und  Rotterdam  geleitet.  Wenn  trotzdem  die  Gesellschaft  ihren  Handelssitz
in  Bremen  genommen  und  behalten  hat,  so  verdankt  das  die  Stadt  den  Gründern
und  bisherigen  Leitern  des  Unternehmens,  die,  Glieder  einer  bremischen  Familie  und
daher  mit  amerikanischen  Handelsverhältnissen  vertraut,  zuerst  in  Europa  die  Bedeutung ­
  des  neuen  Leuchtstoffs  erkannt  und  im  Jahr  1862  mit  seiner  Einführung
begonnen  haben,  die  dann  dem  übermächtigen  Emporkommen  des  benachbarten  Elbehafens ­
  im  Jahr  1886  durch  die  Einstellung  des  ersten  Tankdampfers  auf  dem  Atlantischen ­
  Ozean  wirksam  entgegengetreten  sind  und  schließlich  den  Entschluß,  sich  an  die
Standard  0U  Company  anzuschließen,  zur  rechten  Zeit  gefunden,  dem  deutschen
Unternehmungsgeist  zugleich  den  gebührenden  Einfluß  gewahrt  haben;  anders  als  in
den  übrigen  Petroleumgesellschasten  seiner  Mitgründung,  hat  der  amerikanische  Trust
nur  in  der  D.-A.  P.-A.-G.  nicht  die  Mehrheit  der  Aktien  im  Besitz,  und  deshalb  ist
diese  Gesellschaft  noch  immer  als  ein  bremisches  Unternehmen,  nicht  schlechthin  als
ein  Organ  der  Standard  011  Co.  zu  bezeichnen.*)
Der  dritte  Zweig,  in  dem  die  Weserstadt  die  Bedeutung  eines  Weltmarktplatzes
hat,  ist  der  Tabakhandel:  er  ist  seit  jener  Zeit  hier  zentralisiert,  in  der  die  bremischen
Auswandrerschiffe  das  amerikanische  Gewächs  als  willkommene  Rückladung  in  die
Heimat  regelmäßig  mitzunehmen  begonnen  haben,  und  dann  dank  der  ihm  innewohnenden ­
  Beharrungskraft  festgehalten  worden.  Noch  heute  ist  Bremen  für  ausländischen ­
  Tabak  der  wichtigste  Markt  der  Erde,  selbst  Liverpool  überragend  und  von
Amsterdam  nur  im  Handel  der  ostindischen  Marken  übertroffen.
Endlich  nimmt  Bremen  eine  selbständige  Stellung  noch  im  Handel  mit  Reis
und  mit  tropischen  Nutzhölzern  ein,  die  es  aus  Indien  bezieht;  im  Umsatz  des  amerikanischen ­
  Getreides  erhebt  es  sich  dagegen  ebenso  wie  im  Ausfuhrgeschäft  nicht  über
Lokalbedeutung  hinaus.

7.  Die  Bedeutung  der  Kolonien  für  die  deutsche
Volkswirtschaft.
Von  Bernhard  Dernburg.

Dernburg,  Zielpunkte  des  deutschen  Kolonialwesens.  Zwei  Vorträge.  6.—10.  Tausend.
Berlin,  E.  S.  Mittler  und  Sohn,  1907.  S.  49—51.
Die  Entwicklung  unseres  deutschen  Kolonialbesitzes  ist,  vom  handelspolitischen
Standpunkte  aus  gesehen,  nach  folgenden  vier  Richtungen  zu  beurteilen:
1.  Sie  sichert  der  stetig  wachsenden  Bevölkerung  unseres  Vaterlandes,  die  mit
Rücksicht  auf  das  zur  Verfügung  stehende  limitierte  innerdeutsche  Areal  mehr  und
mehr  sich  der  I  n  d  u  st  r  i  e  zuwenden  muß  und  auf  den  Export  angewiesen  bleibt,
zunächst  große  und  sich  steigernde  Aufträge,  also:  Arbeit.  Daneben  ermöglicht
sie  eine  bessere  Lebenshaltung  dieser  unserer  deutschen  Bevölkerung  durch  billige  Produktion ­
  von  Nahrungsstoffen  der  verschiedensten  Art  und  ermöglicht  es,  diese
Ernährung  unabhängiger  zu  gestalten  vom  Ausland.
*)  Dieses  Verhältnis  hat  sich  jetzt  geändert:  mit  dem  Austritt  des  Bremers  Schütte
ist  der  Sitz  der  D.-A.  P.-A.-G.  nach  Hamburg  verlegt  und  der  8tauäarä  Oil  Co.  das  Übergewicht ­
  des  Aktienbesitzes  überlassen  worden.  (Zusatz  aus  dem  Jahre  1912.)
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.