Das Geleit der Delegierten in der USSR. und ihr
Empfang in der Heimat
Alle Delegierten bekamen zu spüren, was es heißt, gegen den
bürgerlich-sozialdemokratischen Strom zu schwimmen. Es gibt über-
haupt keine Verleumdung, die nicht über die Delegationen in die Welt
hinausgeschrien wurde. Der Kampf gegen sie begann lange vor ihrer
Abreise. Faßten Arbeiter den Beschluß, eine Delegation nach der
USSR. zu senden, so konnten die Urheber dieses Gedankens auf un-
zählige Scherereien gefaßt sein. Der Kampf gegen die Delegationen ent-
wickelte sich in folgender Richtung: 1. die bürgerliche Presse versuchte
von den Delegationen das alleinige Veröffentlichungsrecht überlassen
zu erhalten, um eine freie Veröffentlichung ihrer Eindrücke zu ver-
hindern; 2. Ausschlußandrohung der reaktionären Verbände und sozial-
demokratischen Parteien gegen die Teilnehmer an der Rußlandreise*);
3. Beschuldigung der Delegation in ihrer Gesamtheit und einzelner Mit-
glieder der Bestechung.
Als die Drohungen nichts halfen, die Delegationen sich nicht ein-
schüchtern ließen und abreisten, setzte eine unerhörte Hetzkampagne
gegen sie ein. Dazu kamen Entlassungen ihrer Wähler und syste-
matische Entstellung der Tätigkeit der Delegationen. Als erste wurde
die Delegation der britischen Trade Unions unter Feuer genommen.
*) William Green, Vorsitzender des *Amerikanischen Gewerkschafts-
bundes, äußerte sich z, B. wie folgt:
„Wie mir bekannt, sind die Landesverbände und Ortsgruppen in Amerika
aufgefordert worden, zur Bildung eines Fonds beizutragen, der von einer
Kommission organisiert wird, deren Mitglieder sich als Vertreter der Ar-
beiter ausgeben und eine Reise nach Rußland nach dem Muster der eng-
lischen kommunistischen Kommission (!) vorbereiten, die in Rußland weilte,
um später der Welt zu verkünden, daß die Sowjetregierung eine Volks-
vertretung ist,
Die Agitation wird von Kommunisten und mit ihnen sympathisierenden
Elementen geführt.
Gleichzeitig verbreiten die Vertreter der russischen Regierung, die mit
amerikanischen Bankiers Zechgelage veranstalten, ihre Irrlehren in der
Hauptstadt unseres Landes.
Die AFL, hat auf ihrem letzten Kongresse in Atlantic City vom 15, bis
zum 16, Oktober 1925 einstimmig die kommunistische Philosophie und die
russische Diktatur verurteilt,
Der Plan, eine Delegation nach Rußland zu senden; liegt weder im
Interesse der Lohnarbeiter der Vereinigten Staaten, noch des amerikanischen
Volkes in seiner Gesamtheit, Er dient den Interessen weniger Kommunisten,
die bestrebt sind, ihre Macht in Rußland aufrecht zu erhalten und ihren
Einfluß auf die anderen Nationen der Welt auszudehnen, Eine derartige
Kommission vertritt nicht- die Arbeiterbewegung und wird auch nicht von
der AFL, anerkannt werden, Sie wird organisiert im Interesse der Kom-
munisten und widerspricht den Interessen der amerikanischen Arbeiter-
bewegung.
Keine loyale Gewerkschaft wird daher diesen Plan unterstützen oder
Fördern. Unter keinen Umständen dürfen für diese unwürdige Sache Geld-
opfer gebracht werden.“
38