Full text: Warum reisen Arbeiterdelegationen nach Sowjetrußland?

Warum gerade jetzt? 
Das achte Jahr der proletarischen Diktatur steht im Zeichen 
einer Reihe Ereignisse internationaler Bedeutung. In diesem Jahre 
kommen zahlreiche ausländische Arbeiterdelegationen nach der USSR,, 
um die Errungenschaften der Arbeiterklasse Sowjetrußlands kennen 
zu lernen. Daß gerade jetzt alles nach Rußland reist, dafür sind zwei 
Erscheinungen maßgebend: Die andauernde Senkung des Lebensniveaus 
der Arbeiterschaft in den kapitalistischen Ländern und das wirtschaft- 
liche Wachstum der Sowjetunion, sowie im Zusammenhang damit der 
zunehmende Wohlstand der Massen in Sowjetrußland. Das Interesse 
der Werktätigen in den kapitalistischen Ländern dem Staate gegenüber 
ist erwacht, der sich nach Schilderung der Gegner unserer Revolution 
schon am Rande des Unterganges befand, der jahrelang einen ver- 
zweifelten Kampf gegen die Konterrevolution im Innern und von außen 
führte, dem Proletariate gegenüber, das nur auf sich selbst angewiesen, 
sich gegen die Bourgeoisie der ganzen Welt erhoben hatte. 
Der Umschwung in den Arbeitermassen, die Ausrichtung der Front 
nach der USSR. ist das Ergebnis unserer Tafpropaganda. Während 
bisher den Arbeitern Europas von der bürgerlichen und sozialdemo- 
kratischen Presse täglich über die „Schicksalsschläge‘‘ des russischen 
Volkes, über die Revolution, den Hunger, Bürgerkrieg usw. berichtet 
wurde, müssen dieselben .Zeitungen, die die Schrecken der russischen 
bolschewistischen Revolution seinerzeit in den düstersten Farben schil- 
derten, jetzt anerkennen, daß die Sowjetunion wie durch ein „Wunder“ 
alle Prüfungen überstanden hat, daß sie eine ungewöhnlich große Rolle 
in der Weltpolitik zu spielen beginnt, daß ihre Produktion zunimmt, 
ihre Wirtschaft, die Aus- und Einfuhr wächst. Mit anderen Worten, 
die schlimmsten Gegner Sowjetrußlands sind nunmehr gezwungen, in 
ihren Tagesmeldungen ihr firüheres Rätselraten bezüglich des Zeit- 
punktes des Unterganges Rußlands infolge der Revolution zu korri- 
gieren. Andererseits erscheint der Wert der bürgerlichen Demokratie 
immer zweifelhafter, so daß selbst bei den verbissensten Anhängern der 
Demokratie unter den Arbeitern allmählich der Gedanke Platz 
greift: „Gibt es vielleicht doch bessere Kampfmittel gegen die 
Bourgeoisie als die, die uns die Sozialdemokratie empfiehlt?‘ Nicht 
nur parteilose Arbeiter, sondern auch langjährige Mitglieder der sozial- 
demokratischen Parteien überlegen so. Die Lage der Arbeiter als 
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