Full text: Fortschritt und Armut

Buch I. 
Arbeitslohn und Aapital. 
„wer der Philosophie folgen will, muß ein geistig 
Freier sein." L>tolemäus. 
Kapitel I. 
Die herrschende Lehre vom Lohn; ihre Unzulänglichkeit. 
Um das Problem, das wir zu untersuchen beabsichtigen, auf seine 
bündigste Form zu bringen, wollen wir Schritt für Schritt die Erklärung 
prüfen, welche die jetzt herrschende Nationalökonomie davon gibt. 
Die Ursache, welche inmitten fortschreitenden Reichtums Armut 
erzeugt, ist augenscheinlich dieselbe, welche sich in der von allen Seiten 
anerkannten Tendenz der Löhne, auf ein Minimum zu sinken, kundgibt, 
wir wollen daher unsere Untersuchung in folgende bündige Form 
fassen: 
„warum strebt der Lohn, trotz vermehrter Pro 
duktivkraft, nach einem Minimum, das nur zum 
bloßen Lebensunterhalt ausreicht?" 
Die Antwort der herrschenden Nationalökonomie ist, daß der 
Arbeitslohn durch das Verhältnis zwischen der Arbeiterzahl und der 
der Beschäftigung von Arbeitern gewidmeten Summe von Kapital 
bestimmt wird und beständig dem niedrigsten Betrage, mit dem die 
Arbeiter leben und sich fortpflanzen können und wollen, zustrebt, weil 
die Vermehrung der Arbeiterzahl die natürliche Tendenz habe, jeder 
Kapitalvermehrung zu folgen und sie zu überholen. Demzufolge würde 
die Vergrößerung des Devisors lediglich durch die denkbaren Ver 
änderungen des Quotienten im Zaum gehalten, und der Dividendus 
könnte ins Unendliche steigen, ohne ein größeres Resultat zu ergeben. 
In der gewöhnlichen Denkweise herrscht die Lehre unbestritten. 
Sie trägt das Giro der größten Namen unter den Pflegern der National 
ökonomie, und obwohl sie manche Angriffe erfahren hat, so waren die-
	        
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