Object: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

204 —— 
Associations- 
princip. 
Schluss- 
>rgebnis. 
Volkswirtschaft, es liegt darin ein Misstrauen gegen die Richtigkeit 
der Grundlagen unserer Produktion, wozu wahrlich kein Grund vorliegt. 
Wir kommen nach allem zu dem Ergebnis, dass die moderne 
Arbeiterbewegung an und für sich ihre volle Berechtigung hat, indem 
allerdings die Besserung der Lage der unteren Klassen die hervor- 
ragendste Kulturanfgabe unserer Zeit ist; dass aber die Ziele, die sie 
ınsbesondere auf deutschem Boden aufgenommen hat, zum grossen Teile 
völlig verfehlt sind. Ferner, dass in dem letzten halben Jahrhundert 
dereits ausserordentlich viel zur Verbesserung der Lage der Arbeiter- 
<lasse geschehen ist, was von ihr nicht genügend gewürdigt wird, dass 
aber von Staat und Gesellschaft und zwar in derselben bisher begonnenen 
Weise weitere Aufgaben zu verfolgen sind, wodurch unserer Wissen- 
schaft eine Menge zu lösender Probleme gestellt bleiben. Wir suchten 
zu zeigen, dass es sich nicht allein um eine Lohnfrage handelt, sondern 
ganz besonders um eine Frage der Erziehung der Volksmassen, die 
wir hier allerdings nicht weiter zu verfolgen haben. Weil die soziale 
Frage das Ergebnis eines Kulturfortschrittes ist, handelt es sich auch 
kaum um eine Lösung derselben, sondern nur um eine Milderung der 
Gegensätze und um unmittelbare praktische Aufgaben zur Beseitigung 
der besonders scharf hervorgetretenen Missstände. 
Wenn wir auf die Massregeln eingehen, welche für diesen Zweck 
ergriffen werden können, so haben wir dieselben einzuteilen in die auf 
Selbsthülfe beruhenden und die durch die Staatsgewalt veranlassten 
und unterstützten. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Aufgaben viel 
zu grosse und schwierige sind, als dass die Selbsthülfe allein dafür 
ausreicht, obwohl natürlich in erster Linie zu ihr die Zuflucht zu neh- 
men ist, Die ganze Bevölkerung hat aber ein viel zu grosses Interesse 
an der Milderung der Klassengegensätze, der Förderung der unteren 
Klassen, als dass es nicht gerechtfertigt wäre, Staatshülfe hierbei ein- 
treten zu lassen, soweit dieselbe sich als wirksam und ‚erforderlich 
herausstellt. 
Wir wollen in den folgenden Paragraphen nun die Massregeln 
auf dem Wege der Selbst- und Staatshülfe untersuchen, die zur Milde- 
rung der Arbeiterfrage im weiten Sinne des Wortes beitragen können. 
S 44, 
Die Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften. 
A. Die Konsumvereine. 
Schulze-Delitzsch, Die arbeitenden Klassen und das Associationswesen in 
Deutschland. Leipzig 1858, 
AH. Crüger, Der heutige Stand der Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften. 
Jahrb. für Nat.-Oek. 1895. 
Ders. , Die Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften in den einzelnen 
Ländern, Berlin 1892, 
Ders., Der heutige Stand des deutschen Genossenschaftswesens. Berlin 1898. 
Goldschmidt, as Prinzip der Solidarhaft. Berlin 1887. 
Sidney Webb, Die britische Genossenschaftsbewegung. Leipzig 1893. 
Das Bestreben, auf dem Wege der Selbsthülfe die Lage der unteren 
Klassen zu verbessern, führt naturgemäss zu dem Gedanken der Asso- 
clierung der Beteiligten, weil durch die Vereinigung der zerstreuten
	        
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