mittel usw. verwenden. Aber auch die Schattenseiten der leichten Kredit-
gewährung traten bald in die Erscheinung. Das flüssige Geld verleitete
vielfach zu unverhältnismäßigem Aufwand, andererseits begünstigte es in
hohem Maße die Terrainspekulation und die Bautätigkeit. Das Spekulations-
fieber hatte‘ :alle Kreise der Bevölkerung vom reichen Farmer an bis
herab zum kleinen Arbeiter, der einige Ersparnisse besaß, angesteckt. Die
Grundstückspreise, in erster Linie in der Hauptstadt, wurden enorm ge-
trieben (Vergl. Heft 4). Als nun in, der zweiten Hälfte des Vorjahres in-
folge der Verhältnisse auf dem internationalen Geldmarkt die Kapitalzufuhr
eingeschränkt wurde, trat in dieser Entwickelung ein Stillstand ein, der in
der Folge viele Rückschläge nach‘ sich gezogen hat. Es begann eine
Liquidationsära, die Umsätze stockten und die Preise begannen zu weichen,
wenn die fallende Tendenz auch nicht so stark zum Durchbruch kam, da
für größere Transaktionen die Abnehmer fehlten. Trotz alledem erreichte
die Summe der in den Monaten Januar — Mai ds. Js. auf Grundstücke in
Buenos Aires begebenen Hypotheken immer noch die beträchtliche Summe
von fast 105 Millionen‘ Pesos m/„ gegen !ca. 132 Millionen Pesos "/n im
gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Beschränkung ‚der Absatzmöglichkeit
trat nicht nur bei den städtischen Grundstücken, sondern auch auf dem
Lande ein, insbesondere auch, weil der Viehbestand aus verschiedenen Ur-
sachen, auf die wir später zurückkommen werden, bedeutend abgenommen
hatte und dieser Umstand wesentlich zum vermehrten Angebot von land-
wirtschaftlichen Grundstücken beitrug. So manche Bodenspekulation mußte
mit Verlust abgeschlossen werden und die finanzielle Lage einiger bedeuten-
der Institute und privater Spekulanten wurde kritisch, da die verstärkten
Ansprüche an den Kreditmarkt die Geldgeber zu weiterer Vorsicht bei der
Eröffnung neuer Konten mahnten.
Schon im Vorjahre hatten die durch Zahlungseinstellungen be- Konkurse.
troffenen Werte eine beträchtliche Höhe erreicht. Im den ersten Monaten
des Jaufenden Jahres konnte man eine vergleichsweise Abnahme feststellen,
doch schnellten die‘ Ziffern‘ im April "und Mai wieder bedenklich
hinauf und übertrafen erheblich die des Vorjahres. Insbesondere trugen
dazu bei die Zahlungseinstellungen zweier Bankinstitute, des Banco
Basco Asturiano und — Anfang Junt — des” Banco* Popular Espanol.
Im einzelnen betrugen die notleidend gewordenen Aktiven und Passiven
in den ersten sechs Monaten des Jahres:
® Aktiven Passiven
Januar a 4 422 868,23 4 445 524,00
Februar © 6 370 308,82 6023 506,77
März 8 984 275,41 8937‘5696,95
April 7 20'761 067,99 18 618 866,40
Mai 2 BE 11'299°%683;28 10.009 553,06
TO 26 902 370,51 23 924 924,00
1. Halbjahr 1913 78740 574,19 71959 971,18
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