Die allgemeine Teuerung der Lebenshaltung macht sich auch der Ackerbau-
bevölkerung in voller Stärke fühlbar. ı Alle Verbrauchsartikel des Bauern
sind im Preise gestiegen, während seine Produkte diese Wertzunahme nicht.
im gleichen Verhältnis mitmachten.
Nach den Angaben der Börse von Rosario erreichten die Hauptackerbau-
produkte Argentiniens Weizen, Mais und Leinsaat.in den letzten sechs Jahren
die fogenden Durchschnittspreise (in $):
Weizen Mais: Leinsaat
1907 > „dan 80, 5,0674 10,771/4
1908 3 8rZO 5,921 10,55
1909 YO Male a BEE 5:61 2540
1910 N 2 5,161. VS #7
Tui 1062 7,2810 76
TS 5,5237, 143)
Man sieht hieraus, daß bei Weizen‘ sogar eine‘ Abnahme, des Durchs
schnittspreises nachgewiesen wird, während die‘ kleine Preissteigerung beim
Mais bei weitem nicht hinreicht, für den höheren Wert aller Produktions-
elemente eine hinreichende Entschädigung zu bieten. Zu berücksichtigen ist
auch, daß die ausnahmsweise hohen Maispreise von 1911 ihre Ursache in
der Mißernte hatten, so daß daraus für die Bauern kein Vorteil erwuchs.
Die Leinsaatpreise sind. zwar gestiegen, doch ist diese: Kultur im Vergleich
zu der von Weizen und Mais verhältnismäßig weniger ausgedehnt. und die
erzielten Gewinne kamen nur einer kleineren Anzahl aus der gesamten
Ackerbaubevölkerung der Republik zugute. Veranlaßt ‚durch das günstige
Ergebnis. haben / viele Bauern für die Leinsaatkultur ‚geeignetes Land zu
abnorm hohen Preisen gepachtet und sehen sich nunmehr unter den gegen-
wärtigen Verhältnissen in der gleichen, schlechten Lage wie ihre Genossen.
Unter den einzelnen Faktoren, ‚die: den Gewinn des argentinischen
Bauern gegen früher verkleinern, wird besonders auf die-Preissteigerung der
Säcke hingewiesen, die in den drei, Jahren 1910/12 12: Cits. \m/n: für. den
gebrauchten und 51/, Cts. Gold:’für den neuen Sack ‚betragen - hat... Die
Fuhrlöhne, die per Sack bezahlt. werden, sind dadurch relativ in die Höhe
gegangen, daß die früher üblichen Säcke mehr als 65 kg enthielten. : Auch
die Löhne der Landarbeiter haben. ständig zugenommen. ı Es besteht also
ein erhebliches Mißverhältnis zwischen‘ der Preisbewegung der Ackerbau-
produkte und den jeweiligen Produktionskosten.
In diesen ganzen Verhältnissen, die‘ der Bauer, sich aber nicht klar
machen kann, wurzelt die Unzufriedenheit. Man schiebt ‚die Hauptschuld
an dem Uebel‘ auf die hohen Pachtpreise, während es zum größeren Teil
an der eigenen Unfähigkeit des Bauern liegt, weon er nicht vorwärts kommt,
und an Verhältnissen, auf. die weder Landbesitzer noch Pächter Einfluß
haben, und die auch in Gegenden auftreten, wo billige Pachtpreise die Regel
sind... Doch sind auch die Pachtpreise vielfach übertrieben hoch‘ und machep
es. dem. Bauern ı/ unmöglich,‘ ‚einen Gewinn! für:)sich herauszuwirtschaften.
204