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25. November 1913. “
Die Lage der argentinischen Gefrierfleischindustrie.
In Heft 4, 1913, der „Mitteilungen“ hatten wir den Beginn des Kon- Regierungs-
kurrenzkampfes zwischen den unter nordamerikanischem bezw. unter anglo- maßnahmen,
argentinischem Einfluß stehenden Gefrierfleischanstalten geschildert. . Die
umfassende Bedeutung dieses Interessenkonfliktes für -die gesamte argen-
tinische Volkswirtschaft hat‘ den Kongreß veranlaßt, sich mit der Angelegen-
heit zu beschäftigen, und die Verhandlungen führten zu dem Ergebnis, daß
eine Kommission der Deputiertenkammer eingesetzt wurde, welche geeignete
Mittel‘ zur Beseitigung‘ der entstandenen Schwierigkeiten‘ vorschlagen sollte.
Die Kommission, die. unter dem Vorsitz des Dr. Zeballös tagte, legte schließ-
lich drei Gesetzentwürfe vor:'1. betr. ein Anti-Trustgesetz nach ‘dem Muster
der nordamerikanischen Sherman-Bill, 2. betr. einen allgemeinen Viehzensüs,
um eine. sichere Unterlage ‚für‘ die weitere Behandlung der Frage zu ge-
winnen und. 3. betr. eine. vonseiten.‘ des Ackerbauministeriums ‚einzuleitende
Untersuchung über den Handel mit Fleisch innerhalb; der Republik:
In der gegenwärtigen Sitzung des Parlaments gelangte jedoch: bisher
keiner dieser Vorschläge “zur Verabschiedung und ebenso kamen mehrere
andere sich‘ mit! der Materie befassende Entwürfe ‚über das Stadium der
Kommissionsberatung nicht' hinaus, wie‘ z. B. der des Deputierten Bengolea,
der das Verbot der Schlachtung von Kühen und Schafen oder doch wenig-
stens eine ganz erhebliche Einschränkung solcher Schlachtuhgen vorschlug.
Dieser letzte Gesetzentwurf berührte die für die argentinische Gefrier- Frage der
Aeischindustrie höchst wichtige Frage, ob der Viehbestand des’Landes hin- Kubschlach-
reichend groß :sei, "un die in dem‘ letzten‘ Jahren eingetretene ‘starke Ver- nen.
mehrung der’ Schlachtungen auf "die Dauer‘ ertragen‘ zu können:'" In den
Jahren 1908/10 ‘hatte obendrein eine Periode der Dürre beträchtliche Ver-
luste in den Beständen hervorgerufen, denn‘ alles Vieh; das auf den!mageren
Weiden nicht gehalten. werden könnte, wär zu billigen Preisen verkauft und
geschlachtet worden. Hieraus erklärt sich die beträchtliche Zunahme der
Kuhschlachtungen in den Jahren 1910 und 1911; die schließlich einen der-
artigen Umfang erreichten, daß die Regierung; besorgt um die Zukunft der
Fleischindustrie in der Republik, sich mit den Provinzialregierungen zwecks
Ergreifung geeigneter Maßregeln in Verbindung setzte; um der übergroßen
Schlachtung“" von Kühen Einhalt. zu‘ tun, mußte" doch die statistische Abtei
lung des Ackerbauministeriums feststellen, daß die Kopfzahl des Rindviehs
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