angenommen, daß die über verschiedene Weltteile verbreitete Organisation
der nordamerikanischen Gesellschaften es ermöglicht, die im argentinischen
Geschäft. zurzeit. entstehenden Verluste durch Gewinne an anderer Stelle
wieder auszugleichen. Ueber welche enormen Mittel die in. Betracht
kommenden Gesellschaften verfügen, beweisen. die Endziffern der Bilanzen
der in erster Linie beteiligten Firmen; sie betrugen bei Swift 60 Millionen Lstr.,
bei Armour 57 Millionen Lstr., bei Morris 35 Millionen Lstr.
Unter dem Einfluß dieser Verhältnisse sanken die Aktien einzelner
anglo-argentinischer Gefrierfleischanstalten in den letzten Monaten ganz be-
deutend im Werte; ‚als erstes Opfer der Preispolitik stellte der Frigorifico
Argentino Ende August die Arbeit ein und entließ die Beamten und Arbeiter.
Die in der Provinz Buenos Aires am Riachuelo gelegene Gefrierfleisch-
anstalt soll inzwischen durch Mittelspersonen seitens nordamerikanischer
Kapitalisten bereits aufgekauft oder doch gepachtet worden sein.
Kein Ein- Die übrigen anglo-argentinischen Gesellschaften hoffen, daß dieser erste
N ESEL Erfolg der Preispolitik der Nordamerikaner die argentinische Regierung zum
” Eingreifen ermuntern wird, doch ist ein Aufgeben ihres bisherigen ab-
wartenden Standpunktes kaum zu erwarten, da nach Ansicht der maß-
gebenden Kreise der argentinische Viehbestand vorläufig nicht gefährdet
ist und die Viehzüchter aus dem Wettbewerb der Gesellschaften reiche
Gewinne ziehen. Der englischen Regierung dagegen fehlt jeder Grund
zum Einschreiten gegen die Nordamerikanischen Gesellschaften, da die von
ihnen herbeigeführte Verbilligung des Fleisches für die arbeitenden Klassen
nur genehm sein kann. . Zudem. vertritt England die Meinung, daß eine
wirkungsvolle Bekämpfung der Trustgefahr nur durch ein gleichzeitiges
Vorgehen beider Regierungen geschehen könne, und zwar habe die argen-
tinische. hierbei die Initiative zu ergreifen, da eine Beeinflussung der Preis-
politik .des Trusts auf dem Produktionsmarkte einzusetzen habe.
Die nordamerikanischen Gesellschaften indessen scheinen den ihnen
möglicherweise drohenden einschränkenden Maßregeln keine große Bedeu-
ıung beizumessen, wozu ihnen die in den Vereinigten Staaten mit der
Sherman-Bill gemachten Erfahrungen ein gewisses Recht geben. ‘ Auch die
nordamerikanische Regierung verfolgt die weitere Entwicklung des Fleisch-
trusts mit großer Aufmerksamkeit, wie aus der vor kurzem erfolgten argen-
tinischen Studienreise des Direktors des Viehamts der Vereinigten Staaten,
Herrn A. D. Meloins, geschlossen werden kann. Andere Beauftragte der
nordameıikanischen Regierung bereisten gleichzeitig Australien und Neu-
seeland, um die dortigen Einflüsse des Trusts zu verfolgen, und man will
sogar wissen, daß die Regierung der Vereinigten Staaten mit den süd-
amerikanischen Republiken zwecks gemeinschaftlicher Aktion gegen die
Bestrebungen des Fleischtrusts Fühlung genommen habe.
Rückwirkung Bezeichnend für die auf dem internationalen Fleischmarkt bestehenden
auf die Ver. N RTTER z : . . .
Staaten. Verhältnisse ist die Tatsache, daß die erhebliche Einfuhr von Kühl- und
Gefrierfleisch, die in den letzten Monaten vom englischen Markt aus nach
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