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Ende April 1910 berichtete der kaiserliche Konsu- Passwesen und Reisewege.
laragent in Täbris: Bei Reisen nach Persien über Russland
„Die aus Trapezunt und Konstantinopel kommende wird ein Pass gebraucht. (Angabe einer christlichen
Nachricht, derzufolge ernstlich die Bahn Trape- Konfession ist hierbei obligatorisch). Visum der russi-
zunt—Erzerum geplant sei, hat bei der Kauf- schen und persischen Gesandtschafts- oder Konsulats-
mannschaft von Täbris grosses Interesse gefunden, und Behörden ist gleichfalls erforderlich.
man wird, vielleicht in der Hoffnung, dass die Tran- Beim Wege über Rumänien und Türkei
sitzufuhr durch die Türkei doch nicht ‘durch die er- (von hier über Schwarzes‘ Meer und Russisch - Kau-
leichterte Warenzufuhr aus Russland wird verdrängt kasien) ist auch rumänisches und türkisches Visum er-
werden können, dem direkten Import aus Europa Tforderlich. Man kann auch unter Vermeidung
wieder erhöhte Aufmerksamkeit schenken. russischen Gebiets via Ph Meer,
: © Trapezunt, Erserum nach Persien (Täbris etc.) ge-
Trotz. der Bahnverbindung BOSr Bed a janaıen doch ist dieser Weg ziemlich beschwerlich,
man hier immer wieder konstatieren, dass die Spedition T 1. drei ne Fisenbah 500 Kilomet
via Trapezunt mittels Karawane in normalen Zeiten Al EP en (eine ch ahn) LS ich N Debeil: ne
schneller vor sich geht. Wenn die Karawanenfrachten Tel San at . ZU nme. (St. D0C1E Te AH
nicht so hoch wären, würde man oft der Zeitersparnis rn ot icht ich bei Reisen ins Innere HOSEN
halber via Trapezunt expedieren. Das klingt paradox, N Kay AMD Te Az da es in dem ganzen
doch machen z. B. einige Firmen in Täbris eben jetzt -Ande von der dreifachen Grösse Deutschlands nur
. g 5 kleine Lokalbahn von 8% Kilometern gibt.
wieder die Erfahrung, dass Sendungen über Russland GNS SITZE 2
per Eilgut schon 5 Monate unterwegs sind, während z - n
die jetzien Sendungen via Trapezunt von Hamburg Reisen in Persien.
aus in genau drei Monaten in Täbris eintrafen. Das üblichste Beförderungsmittel in Persien ist
Der schon für den Januar russischerseits ange- He HU Dar DI one Ant Report Au den
kündigte a Atlemohilyerkehr auf der Chaussee Dias Hauptstrassen des Landes unterhält die Regierung kleine
Täbris-ist © nicht In. -G. brach I a Poststationen (verbunden mit einem Unterkunftshause
ASS noch Smcht in Gang gebracht: worden: für Reisende) in regelmässigen Abständen von durch-
: schnittlich 34 Kilometern. Der Postmeister jeder Station
Die Hauptkarawanenstrassen. hat eine Anzahl Pferde zu halten, die er an die
km Tage Reisenden zu etwa einem Franc pro Farsang (Färsach,
Teheran—Kaswin—Rescht*) 322 — persische Meile von ca 6,2 km) vermietet. Der euro-
Teheran—Täbris—Trebisonde 1760 päische Reisende wird meist noch einen Postknecht mit-
Teheran—Kum—Kaschan—Isfahan— nehmen müssen, der den Rücktransport der Pferde
Schiras—Buschir**) 1175 35 besorgt, und für dessen Pferd das gleiche zu entrichten
Teheran—Mesched*) 774 ist. Wer einigermassen Gepäck mit sich führt, wird je
Teheran—Kirmanschah—Bagdad!) 800 24 nachdem eine grössere Anzahl von Tieren und Be-
Täbris—Dschulfa*) 138 gleitern mitnehmen müssen, aber auch die billigste Art
Aschkabad—Mesched (ziemlich gute des Reisens (mit 2 Reittieren) kostet per 10 km schon
Strasse) 230 etwa 33 Francs. Dafür ist freilich das Nachtquartier
Isfahan—Jezd—(Kirman) —Bender Abbas 99% 25 in dem Obergemache (Balac h aneh — hiervon das
Mesched—Seistan— Engl. Belutschistan » Wort Balcon) der Poststationen umsonst, — nur
(Englische Strasse mit Abzweigung die Decken etc. _ muss der Reisende selbst mit sich
nach Kirman) 1835 führen, ebenso wie sein Ess-, Trink- und Kochgeschirr,
Isfahan—Achwaz*) 450 da der „Ungläubige“ unterwegs nichts derartiges ge-
Kaswin—Hamadan*) 250 liehen bekommt. Auch Tee, Zucker, Konserven etc.
Kum-—Sultanabad*) 144 pflegt der Reisende für den eigenen Gebrauch mitzu-
Astara— Ardebil*) 66 führen.
nn Die Poststationen sind meist sehr primitiv aus an
*) Gute Landstrasse — auch für Wagen fahrbar. der Luft getrockneten Erdziegeln (Lehm und Häcksel)
da PO RES ohoran Kur (152 Km) für Wagen fahrbar, erbaut, doch gibt es vereinzelt auch Steinbauten, wo-
N runter manche auch noch anderen Zwecken dienen.