mit bes. Rücksicht auf die Stadtwirtschaft des deutschen Mittelalters. 149
Um zu zeigen, daß Hildebrand durchaus das, was uns geläufig
ist, schon ausgesprochen hat, stelle ich seine Worte und die
betreffenden Sätze aus Schmoller's „Straßburger Tucherund
Weberzunft“ (1879) neben einander.!)
Hildebrand 7, 85 f.: „Das Schmoller S. 364 f.: „Der
Charakteristische des Mittel- Charakter der gesamten gealters
. . . it das Vorhanden- werblichen Produktion ist vom
sein einer Unzahl in sich ab- 13. bis 15. Jahrhundert . . . ein
geschlossener und sich genügen- überwiegend lokaler. Jede
der Lebenskreise. . .. Während Stadt, besonders jede größere,
heute .. . einige räumlich nicht ist ein so ziemlich auf sich
sehr bedeutende Teile Deutsch- ruhendes Ganze. Die einzellands
nicht nur den ganzen nen Städte stehen sich wirteinheimischen
Bedarf decken, schaftlich gegenüber wie heute
sondern noch hinlänglich für die einzelnen Staaten. Der
einen Verkehr mit dem Aus- Verkehr war noch zu gering
land sorgen, ward im Mittel- und das Gefühl gemeinsamer
alter die Fabrikation der Tuche Interessen viel zu schwach, um
überall betrieben, und nur nicht eine sstädtische Politik zu
die Erzeugung der feinern rechtfertigen, die nur an sich
Sorten konnten die Nieder- dachte, jeden Nichtbürger als
lande und der Niederrhein aus- Fremden benachteiligte, in
schließlich festhalten. Der un- einer nach allen Seiten gleichendlich
dürftige Zustand des mäßig entwickelten Stadtwirtöffentlichen
Verkehrsschloßjede, schaft ihr Hauptziel sah. Und
auch die kleinste, Stadt mit den daher die Tatsache, daß bei
sie zunächst umschließenden sehr geringer geographischer
paar Meilen zu einem in- Arbeitsteilung viele Gewerbsdustriellen
und kommerziellen zweige und darunter auch die
1) Näheres hierzu in meiner Abhandlung: Schmoller in seinem
Verhältnis zu B. Hildebrand, Zeitschr. f. Sozialwissenschaft 1904,
S. 226 ff.; Gehrig, B. Hildebrand, Jahrbücher f. Nationalökonomie
1912, 3. Folge, Bd. 43, S. Iff.; meine „Deutsche Geschichtsschreibung
von den Befreiungskriegen bis zu unsern Tagen“ S. 176: Jahrbücher
k. Nationalökonomie 106, S. 667 ff.