Qn der selben Zeit, in der die amerikanischen Pioniere
_Jihre Schritte nach Mexiko lenkten, machte auch das
Freiland Unternehmen Dr. Theodor H ert k a s viel von
sich reden. Er hatte in seinem Buch: „Freiland ein so-
ziales Zukunftbild“*) die Entwicklung eines idealen
Staatswesens geschildert, das in Ostafrika entstehen sollte.
Das Buch hatte zahlreiche Leser gefunden. Es wurden
überall Freiland Vereine gegründet, in denen Dr. Hertzka
Vorträge hielt, und es haben sich schließlich in Deutschland
und Österreich wie in anderen Ländern Kolonisten ge-
meldet, die sich an dem Unternehmen beteiligen wollten.
Die Versuche Flürscheims, das Unternehmen mit sei-
nem eigenem zu vereinigen und zusammen nach Mexiko
zu gehen, wo das Klima besser und die Aussichten auf
einen Erfolg nach seiner überzeugung viel größer waren,
sind an dem Widerstande Hertzkas gescheitert, der den in
seinem Buch gewählten Schauplatz der Handlung im
Hochlande von Ostafrika nicht aufgeben wollte.
Es ist auch im Jahr 1894 zur Ausrüstung und Ab-
sendung einer Vorexpedition gekommen, an der sich zahl-
reiche Ansiedler beteiligt haben. Nach den Mitteilungen,
die ein Teilnehmer dieser Expedition Dr. Julius Wil-
helm in Wien später in unserer Zeitschrift (Dentsche
Volksstimme 1906 S. 296) gemacht hat, hat sich aber schon
bei der Landung in Lamu an der Ostküste von Britisch-
Yrita herausgestellt, daß England nicht gewillt war, in
en dortigen Hochlanden ein zweites Transvaal entstehen
su lassen. Die Expedition mußte sich nach einem halb-
jährigem Aufenthalte an der Küste auflösen.
Nach anderen Berichten sollen auch Streitigkeiten
zwischen den Teilnehmern, die verschiedenen Völkern an-
gehörten, entstanden sein. Die wenigen Europäer, die
den Versuch gemacht haben, weiter vorzudringen, sollen
eingesehen haben, daß auch das Klima die Ansiedlung
Tw 1890.
999