; V. Überstaatliche Bindungen des Jchs
übung unserer Kulturverwaltung unzufrieden zu sein ~ so be-
urteilen sie diese Verwalterschaft eben aus ihrem Volksgefühl und
Volksdenken heraus. Zwar gaben wir schon zu, daß der Jude für
viele Gebiete ganz sicher ebenso gut oder besser als im Durchschnitt
der nichtjüdische Deutsche befähigt ist, meistens zum Beispiel dort,
wo die von Sombart hervorgehobene ,„„Gescheitheit“” den Ausschlag
gibt. Ich für meinen Teil glaube, daß unsere Antisemiten die Ge-
biete, auf denen nichtjüdischer und jüdischer Geist kollidieren müssen,
viel größer annehmen als sie sind. In Handel und Industrie, bei
der wissenschaftlichen Tatsachenermittlung und praktischen Tat-
sachenbenützung (z. B. durch Arzt, Chemiker, Ingenieur) sowie auf
weiten Feldern des praktischen Lebens können sie und wir nicht
nur neben-, sondern auch mitsammen in Frieden und Nutzen ar-
beiten und einander helfen. Vielleicht ist es letzten Endes nur eine
Organissationsfrage, ob wir das auch auf den Gebieten können, wo
Unwägbarkeiten der Phantasie und des Gefühls mitwirken, die sich
je nach der Volksart nicht nur verschieden färben, sondern gestalten.
Aber diese Gebiete scheinen mir wieder von jenen unterschätzt, die
hier fundamentale Unterschiede im Wesen beider Völker überhaupt
bestreiten. Die Verschiedenheiten können sich vom scheinbar Kleinsten
bis zum Größten zeigen, von der Geste des Schauspielers, dem
Pinselstrich des Malers, dem Tremolo des Musikers, dem Tonfall
des Redners bis zur Weltanschauung, welche die Lebensführung be-
stimmt. Und sie zeigen sich in allen Künsten und in aller Kritik
der Juden für feinfühlige Nichtjuden als Fremdheiten. Ist es uns
andern zu verdenken, wenn wir hier von der „„Verwaltung““
unseres „,,geistigen Besitzes‘“ durch jüdischen Geist ein Eindringen
fremden und also für unsere Kulturpflege unechten Volkfühlens
befürchten? Wir tun das manchmal sogar da, wo die betreffenden
jüdischen Verwalter der besten Absicht und des besten Glaubens sein
mögen, gerade dem nationalen Fühlen ihres Wirtvolkes zu dienen.
Denn es wird nicht allzu häufig sein, daß sie das können. Beruht
doch der außerordentliche Wert des Judentums in der Kultur ge-
rade auf ihrem Anregen durch Fremdes, in ihrem Wirken als
„Sauerteig“"). Gott bewahr uns davor, auf den Kultursauerteig ver-
zichten zu wollen. Aber mehr Sauerteig als Brotteig, das geht nicht.
Nicht nur neben, sondern vor dem Fremden muß das uns
) 2