II. Das Jch in staatlicher Erziehung . 5
nämlich, die uns im Leben außergewöhnlich nahe gestanden haben.
Was ist es, das uns da, beim Anblick eines geliebten Toten, so
gewaltig ergreift, daß wir erschüttert von der „Majestät des Todes““
sprechen? Doch das Bewußtsein, daß ein etwas, dem wir gewohnheitsmäßig
noch den alten Namen geben, sich so von Grund auf
gewandelt hat, daß es uns fremd, ehrfurchtgebietend fremd geworden
ist. In solch einem Augenblick bildet sich schwerlich jemand ein, mit
der Erklärung, daß da aus dem Körper nur etwas „entwichen“ sei,
dem Rätsel des Todes beikommen zu können.
Ebensowenig dürfen wir uns einbilden, dem Rätsel des Lebens
dadurch beikommen zu können, daß wir es mit dem pomphaften
Zunftwort vom ,,psycho-physischen Dualismus““ verzieren. Gewiß,
unter entsprechendem Aufwand an ähnlichen Worten läßt sich daraus
sogar ein ganzes System bereiten, ein System des Materialismus
oder ein System des Spiritualismus, ein System für oder ein
System gegen die Einheit von Körper und Geist. Aber wieviel Leute
auch immer bereitwillig glauben mögen, es sei wieder etwas „,erklärt“
oder „bewiesen““’ worden, wenn einem alten Problem ein
neuer Name gegeben wird, wenn etwa der Olymp der Hellenen durch
einen Olymp von Heiligen, und der Olymp von Heiligen durch einen
Olymp von „,,Energien““ ersetzt wird, oder wenn sich der handfeste
alte Stammes- oder Stadtgott zu einem Ismus, zum Monotheismus
erweitert und der Monotheismus zum Monismus verflüchtigt ~
erklärt und bewiesen ist damit im Grunde nur, „„daß wir nichts
wissen können““.
Das Rätsel des Seins, das Rätsel des Werdens, das Rätsel des
Denkens + wir werden’s nimmer lösen. Wer sein körperliches und
sein geistiges Sein nicht empfindet als Erscheinungsformen des einen
unteilbaren Ichs, dem wird man diese Einheit und Unteilbarkeit mit
keinen Mitteln „beweisen““ können. Mit dem soll man sich aber auch
nicht in eine Unterhaltung über diese Dinge einlassen. Denn diese
Dinge führen an Grenzen heran, die kein Ich überspringt oder auch
nur streift, ohne in Gefahr zu kommen, das Gleichgewicht zu verlieren.
Da gibt es schließlich keinen andern Halt mehr, als das
Bewußtsein der innern Einheit. Wer es nicht hat, tut besser, diese
Grenzgebiete zu meiden.
Und auch wer es zu haben glaubt, der sollte sich ihnen nahen nur
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