Full text : Das Ich und der Staat

_ II. Das Jch in staatlicher Erziehung
der fremden Sprache nicht das Ziel des Schulunterrichts sein kann,
so wird hier doch der Grundsatz maßgeblich sein müssen, daß die
leidliche und für den praktischen Gebrauch ausreichende Beherrschung
einer fremden Sprache mehr wert ist, als das unsichere Herumstümpern
 an zweien oder dreien. Wem das Erlernen einer Fremdsprache
 kein Luxusvergnügen, sondern eine erzieherische Notwendigkeit
ist, dem kann die Wahl der Fremdsprache, die für uns Deutsche in
erster Linie in Betracht kommt, kaum lange Qual machen. Es ist
für den deutschen Staat nicht nur wünschenswert, sondern einfach
notwendig, daß eine möglichst breite Schicht durchgebildeter, also
zur Führung berufener Staatsbürger der englischen Weltsprache
mächtig sei. Warum? Eben weil Englisch die Weltsprache ist.
Fedes weitere Wort zur Begründung wäre verloren.
Gewichtige Gründe sprechen aber auch dafür, die Kenntnis des
Französischen in den Oberschichten der deutschen Bildung nicht erlöschen
 zu lassen. Die Franzosen sind das Nachbarvolk, das es
seinem eigenen Gedeihen schuldig zu sein glaubt, das Deutschtum
niederzuhalten und seinen Zusammenschluß in einem einheitlichen
Volksstaat mit allen Mitteln der Diplomatie und der Gewalt zu
verhindern. So wenig deutsche Geschichte von englisch-angelsächsischer
Geschichte zu trennen ist ~ noch vor hundert Jahren war ein kerndeutsches
 Land wie Hannover im Besitz der englischen Krone! ~
so wenig ist deutsche Geschichte von französischer Geschichte zu '
trennen. Und bei der besondern Art, wie das Franzosentum sich
zuin Deutschtum immer wieder einstellt, könnte es für das Deutschtum
 geradezu lebensgefährlich werden, wenn wir Deutschen aufhören
 wollten, uns mit französischem Volkstum und französsischer
Geistesverfassung immer von neuem so vertraut zu machen, wie es
uns möglich ist. Dafür ist es unentbehrlich, daß ein nicht zu knapp
bemessenes Mindestmaß von Vertrautheit mit der französischen
Sprache im deutschen Volke stets vorhanden sei.
Wie weit, aus ähnlichen Gründen, in Grenzbezirken auch andere
Fremdsprachen in den Unterricht aufzunehmen wären, ist eine Frage
reiner Zweckmäßigkeit. Wie denn, schon um Überbürdung zu vermeiden,
 der Unterricht in fremden Sprachen rein unter den Gesichtspunkt
 praktischer Zweckmäßigkeit gestellt werden sollte. Das
wird die Berufenen unter den Lehrern nicht abhalten, auch aus

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