Full text : Das Ich und der Staat

IV. Das Jch als Massenteilchen
gleichgerichteten Ichs bilden also, in bezug auf die sie bewegenden
öffentlichen Angelegenheiten, eine Masse von größerer oder geringerer
Festigkeit des Zusammenhalts. Die andersgerichteten Ichs bilden,
bei hinreichender innerer Übereinstimmung, gleichfalls eine Masse.
Massen sind der Rohstoff, womit das öffentliche Leben arbeitet.
Zwischen den Massen walten, wie zwischen den Masssenteilchen,
die Kräfte der Anziehung und Abstoßung. Wo Massen einander in
Liebe zugetan sind – was man in der Politik so Liebe nennt
kommt es gelegentlich zum Ineinanderfließen. Wo sie in Haß
gegeneinander stehen, kommt es rasch genug zu Blutvergießen und
Totschlag, wenn der Staat nicht mehr imstande ist, die Massentemperamente
 mit starkem Arme zu zügeln. Jedenfalls: Liebe muß
sein und Haß muß sein, damit durch Anziehung und Abstoßung
Bewegung in das öffentliche Leben kommt. Liebe allein würde die
unterschiedlichen Massen zum gestaltlos trägen Klumpen zusammenballen,
 womit jede fremde Kraft machen könnte, was ihr beliebt.
Und Haß allein würde den Massenrohstoff des öffentlichen Lebens
zur Anarchie des Chaos auseinandertreiben.
Aus der Erziehung des Ichs zum Staatsbürger den Haß, als
bewegende Kraft, ausschalten zu wollen, wäre also eine Dummheit
oder – ein Verbrechen. Die Kräfte der Abstoßung, des Hasses,
auf das richtige Ziel zu lenken und ihnen, je nach dem Ziel, die
angemessene Abstufung zu geben ~ womit die entsprechende Einstellung
 der Kräfte der Anziehung und ihre zweckmäßige Abstufung
in der Regel von selbst eintritt ~ das ist die Kunst. Liebe, die
stärkste Kraft der Anziehung, kann nur auf das eigene Volkstum
und seine Ausstrahlungen gerichtet sein; Haß, die stärkste Kraft
der Abstoßung, sollte nur fremdem Volkstum und seinen Vertretern
gelten können. Mit der, aus der Natur der Sache gegebenen Ausnahme,
 daß das Ich den Verräter am eigenen Volkstum noch wilder
zu hassen berechtigt ist, als den fremden Feind und Zerstörer des
eigenen Volkstums.
Von Liebe zwischen verschiedenen Völkern zu reden und darauf
überstaatliche Organisationen aufbauen zu wollen, ist barer Unsinn.
Völkerpersönlichkeiten folgen den Urtrieben der Selbsterhaltung und
des Wachsenwollens. Gesunde Völkerpersönlichkeiten „lieben“! niemand
 als sich selbst, behaupten aber manchmal, aus Politik, die

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