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die rein praktischen Schwierigkeiten, welche eine Gliederung nach
Todesursachen speziell im Gefolge hat. Aller Wahrscheinlichkeit
nach würde nämlich eine Auswahl, bei der diese oder jene Todes-
ursache verschwände, auch die übrigen Todesursachen beeinflussen,
und zwar nicht nur so, wie z. B. J. B. Say meinte, und wie es im
5 38 in Verbindung mit der Erwähnung der Durvillardschen
Sterbetafel und dem Einfluß der Pocken auf die Sterblichkeit Aus-
iruck fand: „wenn der Tod eine Tür geschlossen vorfindet, öffnet
zer dafür eine andere“; ganz im Gegenteil könnte man sich denken,
laß, wenn der Alkoholismus verschwände, vielleicht auch die Fälle
von Lungentuberkulose, Leberzirrhose, Selbstmord usw. abnähmen.
Wie gesagt, gehen wir weiter unten in größerer Allgemeinheit auf
lie Berechnung einer Überlebenstafel ein, welche die Altersgliederung
angibt, die eine Bevölkerung aufweisen würde, wenn man sich einen
Teil der Ursachen, die einer Bevölkerung Individuen entziehen, be-
seitigt denkt.
309. Die Methoden nun, deren man sich faktisch bedienen kann,
um aus gegebenen Beobachtungen unter gleichzeitig Lebenden eine oder
mehrere der hier besprochenen biometrischen Funktionen (eine Sterbe-
tafel) zu berechnen, hängen natürlich von der Art des zur Verfügung
stehenden Beobachtungsmaterials ab; der genaue Geburtszeitpunkt für
jedes betrachtete Individuum der Bevölkerung (des Bestandes) ebenso
wie der genaue Sterbezeitpunkt für die in der Beobachtungsperiode
gestorbenen Individuen sind nicht immer gegeben, während dies
der Fall ist, wenn Lebensversicherungsgesellschaften Sterbetafeln
auf Grund von Sterblichkeitserfahrungen innerhalb ihres eigenen Ver-
sicherungsbestandes berechnen. Man muß dann, wie auch sonst oft-
mals, zu verschiedenen Hilfsmethoden seine Zuflucht nehmen, die
gewisse Annahmen, z. B. eine Interpolation, notwendig machen. Die
im $ 292 ff. beschriebene figürliche Darstellung läßt sich hierbei oft
mit Vorteil anwenden, wie es auch häufig mit den zwischen den
Hauptgruppen von Lebenden und Toten bestehenden Relationen der
Fall ist. Einzelne Beispiele der vielen verschiedenen Aufgaben, von
denen hier die Rede sein kann, sind weiter unten gegeben. Be-
absichtigt ist stets, das Material möglichst so zu rekonstruieren,
laß man, ebenso wie wenn für jedes Individuum der Bevölkerung
genaue Daten vorliegen, sozusagen jedes Individuum entweder vom
Beginn der Beobachtungsperiode an oder, wenn neue Individuen im
Laufe der Periode eintreten, vom Zeitpunkt dieses Eintritts an ver-
folgen kann, entweder so lange, bis die Periode abläuft oder bis das