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Drittes Buch. Der Liberalismus.
der Konkurrenz die Wirkung, die Preise der Produkte auf das Niveau
der Produktionskosten zu bringen. Wenn aber, — und das ist nicht nur
möglich, sondern muß sich mit Sicherheit ereignen, — gleiche Produkte
auf den Markt gebracht werden, die verschiedene Produktionskosten
verursacht haben, dann entsteht die Frage: welche dieser verschiedenen
Einzelkosten bestimmen den Preis ? Die höchsten, die „Grenzbeschaffungs
kosten“. Notwendigerweise bleibt daher ein Überschuß für alle gleich
artigen Produkte, deren Produktion weniger gekostet hat. RicARno
hatte das für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse konstatiert, aber
Stuart Mill erstreckt es auf alle industrielle Produkte 1 ) und sogar auf
die persönlichen Fähigkeiten. Das Gesetz der Rente wird daher außer
ordentlich erweitert, obgleich etwas weniger als bei Senior (vgl. oben
S. 382).
7. Das Gesetz des internationalen Austausches. — Rufen wir
uns zunächst ins Gedächtnis zurück, daß für die Volkswirtschaftler der
liberalen Schule (vgl. oben Ricardo, Bastiat, Dünoyer) der Austausch
zwischen den Ländern von den gleichen Gesetzen regiert wird, wie der
Austausch zwischen Individuen, und genau die gleichen Vorteile ver
schafft: nämlich jeder der beiden Parteien eine gewisse Arbeitsmenge
zu ersparen, indem er ihr — durch das Überlassen eines Produktes, das
ihr z. B. 15 Arbeitsstunden gekostet hat, ein Produkt verschafft, das
20 Arbeitsstunden gekostet hätte, wenn man es selbst hätte produzieren
wollen. Der Gewinn liegt daher einzig auf der Seite der Einfuhr, die Aus
fuhr ist nur das Mittel und mißt sich nur durch den Überschuß des Einfuhr
wertes über den Ausfuhrwert.
Daher ergab es sich als sicher, daß beide Parteien gewinnen: freilich
war es nicht sicher, und sogar nicht einmal wahrscheinlich, daß der Vor
*) „Der Kostenwert einer Ware ist der desjenigen Teiles der Erzeugung, der am
teuersten gewesen ist“ (Principles, B. III, Kap. 6, § 1, Abt. 7).
„Der Übergewinn, den ein Fabrikant oder ein Händler aus der Verwendung
von größeren Fähigkeiten oder einer besseren geschäftlichen Organisation zieht, ähnelt
stark einer Rente . .. Wenn alle seine Konkurrenten die gleichen Vorteile haben, fällt
dieser Gewinn in Gestalt einer Preissenkung den Konsumenten zu; er hat den Vorteil
nur dann, wenn er einen Gegenstand zu einem von den Produktionskosten
der Konkurrenz geregelten Preise verkaufen kann, den er selbst mit ge
ringeren Kosten herzustellen versteht“ (Book III, Ch. V, § 4).
Jedoch besteht zwischen der landwirtschaftlichen und der industriellen Produktion
der schon von Senior klar hervorgehobene Unterschied, daß die erstere durch das Gesetz
des sinkenden Bodenertrages begrenzt ist, während die zweite im Gegenteil sich eines
steigenden Ertrages erfreut, d. h„ daß gewöhnlich die proportionellen Kosten im
Maßstabe sinken, wie die Produktion wächst. Daraus ergibt sich also, was übrigens
von Stuart Mill klar gezeigt wird, daß der industrielle Produzent das Interesse hat,
den Verkaufspreis der Waren zu verringern, um mehr hersteilen zu können und so
durch die Vervielfältigung der Gewinne und die Erniedrigung der allgemeinen Unkosten
das für jede Einheit gebrachte Opfer wieder einzubringen.