268 DIE TECHNIK DES WIRTSCHAFTLICHEN VERKEHRS
der nunmehr den Transfer an den letzten Käufer durchführt. Jedes
Ticket soll in der Regel auf einen Schluß lauten; andernfalls er-
gibt sich bei Käufen von mehreren Verkäufern das Splitting des
Tickets. Die Abrechnung der ausmachenden Beträge und Kursdiffe-
renzen besorgt ein Clearinghouse.
Die Zeitgeschäfte sind Spekulationsgeschäfte. Derjenige, der z. B.
am Anfang eines Monates zu einem bestimmten Kurse einen Schluß,
lieferbar per Ende des Monates, kauft, hofft, daß der Kurs dieses
Papieres bis Ende des Monates steigen werde, weil er dann seinen
Schluß zu dem gestiegenen Kurs an einen anderen verkauft und so
aus der Differenz der Kurse Gewinn zieht, er spielt auf das Steigen
des Kurses, ä la hausse, er ist Haussier. — Ein anderer verkauft
während des Monates Effekten per ultimo des Monates zu einem be-
stimmten Kurse, ohne sie zu besitzen, „er verkauft in bianco“ (Leer-
verkauf), und hofft, daß der Kurs dieses Papieres bis Ende des Mo-
nates fallen werde, weil er sie dann zu dem gefallenen Kurse von
einem anderen kauft; er „deckt sich“ und zieht wieder aus der
Differenz der Kurse Gewinn; er spielt auf diese Weise auf das Fallen
der Kurse, & la baisse, er ist Baissier oder Kontremineur.
Diese Geschäfte werden fast ausschließlich durch die Liquida-
tionseinrichtung abgewickelt; der Spieler gibt sowohl den oben er-
wähnten Kauf wie den Verkauf auf und braucht, im Fall er seine
Schlüsse glatt gestellt hat, Effekten weder zu übernehmen noch zu
liefern; die gewonnenen Kursdifferenzen erhält er ausbezahlt, hat,
er dagegen verloren, so zahlt er die Differenz ein; solche Speku-
lationsgeschäfte werden daher auch als Differenzgeschäfte bezeich-
net. Bei diesen Spekulationsgeschäften handelt es sich demnach
nur um die Differenz, „man spielt auf Differenz“. Hiedurch erklärt
es sich auch, daß man, um ein solches Spekulationsgeschäft zu
machen, keineswegs über den Betrag verfügen muß, der erforderlich
wäre, um die betreffende Menge von Effekten wirklich zu kaufen.
Diese Eigenschaft des Differenzgeschäftes,. mit verhältnismäßig ge-
ringen Mitteln große Geschäfte einzugehen, schließt anderseits. die
Gefahr in sich, daß Spieler mit unzureichender Deckung bei größeren.
Kursdifferenzen ihr ganzes Vermögen verlieren können; auch müssen
sie in dem Momente, wo die Differenz ihre Mittel aufgezehrt hat,
das Geschäft abwickeln, ohne eine bevorstehende oder erhoffte Besse-
rung abwarten zu können.
Die Kulissiers betreiben diese Spekulationsgeschäfte gewerbsmäßig, aber
auch die Schrankenfirmen benutzen günstig scheinende Konjunkturen, um
ein Zeitgeschäft für eigene oder fremde Rechnung zu schließen und bedienen
sich hiebei sehr häufig der Vermittlung eines Kulissiers oder auch mehrerer
derselben, um nicht durch auffällige Käufe den Kurs in die Höhe zu treiben
oder durch große Verkäufe eine Baissebewegung hervorzurufen. So wird es
bei jedem Kurse Kulissiers geben, die zu kaufen oder zu verkaufen haben;