Full text: Die deutsche Wirtschaft

Deutschlands Stellung in der Weltwirtschaft, 35 
lieferungen zurückgingen, und hat daraus die kluge Folgerung gezogen, 
daß sie unter dem Schutzzoll nicht wettbewerbsfähig bleiben könne. 
Sie hat deshalb die Beseitigung des Schutzzolles für sich selbst gefordert 
und erreicht, Schon ein halbes Jahr nach der Aufhebung des Auto- 
mobileinfuhrzolles ist die englische Kraftwagenausfuhr wieder beträcht- 
lich gestiegen. Die deutsche Industrie sollte daraus lernen. 
IV, Die deutsche Industriewaren-Ausiuhr, 
Als die deutsche Industrie ein halbes Jahr nach dem Waffenstill- 
stand von der feindlichen Blockade befreit wurde und sich wieder nach 
Absatzmärkten im Ausland umsehen durfte, befand sie sich in der 
Lage eines Kranken, der lange Zeit im dunklen Zimmer gelegen hat und 
nun plötzlich wieder ins Licht hinaustritt, Alles sah anders aus; die 
Linien hatten sich verschoben; der Rekonvaleszent suchte die Glieder 
so zu bewegen wie früher, taumelte aber hin und her, Als ihm vollends 
durch die heimische Inflation die Kräfte abermals schwanden, sah er 
die Welt wiederum nur wie durch wallende Nebel, Die weltwirtschaft- 
lichen Vorgänge dieser Jahre vollzogen sich für Deutschland in Rech- 
nungseinheiten, über deren Wert man zu keiner klaren Vorstellung 
gelangen konnte, Einfuhr und Ausfuhr litten schwer darunter, selbst 
wenn sie zu verdienen glaubten, In all diesen Jahren erfolgte die 
Preisbildung für die deutschen Außenhandelsbewegungen, zumal ange- 
sichts der Zerrüttung auch der meisten übrigen Valuten, in Geldwerten, 
die sich von einem Tage zum nächsten verschoben, so daß aus sicher 
erwarteten großen Gewinnen manche Verluste wurden, nur selten ein- 
mal aber ein Verlust sich in einen Gewinn wandelte”). 
Im ganzen war es ein wildes Hin und Her zwischen 
Preisübersteigerung und Preisschleuderei. Zumal 
der unorganisierte Außenhandel gelangte zu keiner klaren Entschei- 
dung, Eine straffe, planmäßige Preispolitik herrschte nur bei den kar- 
tellierten Industrien, Aber auch bei ihnen ging sie weit auseinander. 
Die einen (und zwar die Mehrzahl) forderten hohe Preise im Inlande 
und niedrige im Auslande, beherrscht von dem Schlagwort, daß nur die 
Ausfuhr Deutschland retten könne, Die anderen (die Minderzahl) legten 
dem Auslande höhere Preise auf als dem Binnenmarkt; beispielsweise 
das Kalisyndikat, das, in enger Anlehnung an seine Preispolitik vor dem 
Kriege, da es die praktische Monopolstellung auf dem Weltmarkte be- 
saß, bei diesen Preisdifferenzen beharrte, obwohl ein bedeutender Teil 
seiner Lothringer Gruben an Frankreich verlorengegangen war. Die 
*) Siehe mein Büchlein „Das Doppelgesicht der Valuten". Stuttgart, Verlag 
Kohlhammer, 
2°
	        
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