Full text: Das Studium der Staats- und Wirtschaftswissenschaften auf den Universitäten und Hochschulen Deutschlands und die Doktorwürde (Dr. rer. pol.)

Wie soll man studieren ? 
Der Studierende muß zunächst einen allgemeinen Überblick über das 
Gebiet der Volkswirtschaftslehre zu gewinnen bemüht sein. Wird eine 
Einführung in die Volkswirtschaftslehre gelesen, so kommt deren Besuch 
für erste Semester besonders in Betracht. Im übrigen kann das Studium 
sowohl mit spezieller, als mit allgemeiner Volkswirtschaftslehre begonnen 
werden, es sei denn, daß eine dieser Vorlesungen im Vorlesungsverzeich- 
nis nur für ältere Semester angekündigt wird. Ferner eignen sich zum 
Erwerb einer gediegenen Grundlage Vorlesungen über Wirtschafts- 
geschichte, Einführung in die Rechtswissenschaft. Im zweiten Semester 
kann auch schon Statistik, namentlich allgemeine Statistik gehört werden. 
Vom dritten Semester ab wird insbesondere anzustreben sein: 
1. Planmäßiger Ausbau der juristischen Studien: Einführung in das 
bürgerliche Recht für Volkswirte, Handels- und Wechselrecht, Allgemeine 
Staatslehre, Staatsrecht, Verwaltungsrecht, Steuerrecht. 
2. Vertiefung der volkswirtschaftlichen Kenntnisse mit dem Ziel, 
einerseits Einblick zu gewinnen in die volkswirtschaftliche Theorie, anderer- 
seits die Fähigkeit zu selbständiger Beurteilung praktischer Wirtschafts- 
probleme zu erwerben: Aktive Teilnahme an einer Anfängerübung (mit 
kleinen schriftlichen Arbeiten), wiederholter Besuch einer Vorlesung über 
allgemeine Volkswirtschaftslehre (es empfiehlt sich dringend, die Vor- 
lesung über allgemeine Volkswirtschaftslehre zweimal, und zwar bei ver- 
schiedenen Dozenten zu hören); Vorlesung über wirtschaftswissenschaft- 
liche Dogmengeschichte. — Die Kenntnisse im Gebiet der speziellen 
Volkswirtschaftslehre sind zu erweitern durch Studium der Sozialpolitik, 
der speziellen Statistik und der für die Diplomprüfung in Aussicht ge- 
nommenen Wahlfächer. 
An der Universität. München sind als Wahlfächer zugelassen: Wirt- 
schaftsgeschichte, Wirtschaftsgeographie, Armenwesen und soziale Für- 
sorge, Versicherungslehre, Arbeitsrecht, Forstpolitik, Landwirtschaitliche 
Betriebslehre. Von diesem Programm weichen andere Universitäten nicht 
unwesentlich ab. Betriebswirtschaftslehre wird, soweit sie nicht Haupt- 
fach ist, als Wahlfach freigestellt, auch Technologie findet sich oft unter 
den Wahlfächern; an einigen Universitäten: kommt ferner Soziologie, 
Verkehrswissenschaft, Urheber- und Patentrecht u. ä. in Frage. — Es ist 
anzuraten, daß das Studium der Wahlfächer erst dann aufgenommen wird, 
wenn der Kandidat sich entschieden hat, an welcher Universität er sich 
dem Diplomexamen unterziehen will und wenn er sich über die dort gel- 
tende Prüfungsordnung unterrichtet hat. 
Während der beiden letzten Semester soll Finanzwissenschaft gehört 
werden, nachdem die Fächer des öffentlichen Rechts durchgearbeitet 
wurden. Außerdem ist innerhalb dieser Zeit die zweite volkswirtschaft- 
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